Etienne Tshisekedi in Brüssel verstorben

Der langjährige kongolesische Oppositionsführer Etienne Tshisekedi (Foto) starb am Mittwoch in einer Brüsseler Privatklinik im Stadtteil Ukkel. Er wurde 84 Jahre alt. Tshisekedi war erst in der vergangenen Woche nach Brüssel gekommen, um sich hier behandeln zu lassen. Führende belgische Regierungspolitiker würdigten den Politiker und zollten ihm großen Respekt.

Unter dem diktatorischen kongolesischen Präsidenten Mobutu Sese Seko war Etienne Tshisekedi mehrmals Premierminister, wurde aber im Laufe der Jahre zu dessen größtem politischen Gegner.

Nachdem Mobutu die frühere belgische Kolonie verlassen hatte - damals, unter Mobutu, wurde das Land Zaire genannt - führte Tshisekedi mit seiner Partei Union pour la Democratie et le Progrès Social (UDPS) auch die Opposition gegen Vater Laurent und nach dessen Tod gegen dessen Sohn Joseph Kabila, der verfassungswidrig Präsident bleiben will, an.

Im vergangenen Sommer war Tshisekedi noch gelungen, alle Oppositionsbewegungen und -parteien gegen Joseph Kabila zu vereinen, als dieser sich gegen die Verfassung seines Landes zu stemmen schien und Präsident bleiben wollte.

Die Opposition im Kongo verhandelt bereits seit Monaten mit der Regierung Kabilas über einen politischen Kompromiss, bzw. über neue Präsidentschaftswahlen. Der Tod von Tshisekedi könnte diese schwierigen Verhandlungen negativ beeinflussen und Kabila stärken, denn ein ähnlich starker Oppositionsführer muss sich in der belgischen Ex-Kolonie noch finden.

Belgiens Politik würdigt Tshisekedi

Belgiens Außenminister Didier Reynders (MR) sagte, Etienne Tshisekedi habe der kongolesischen Politik jahrzehntelang seinen Stempel aufgedrückt und er habe großen Einfluss auf die Demokratie in seinem Land und auf die Entstehung der kongolesischen Verfassung gehabt. Gemeinsam mit der kongolesischen Bevölkerung hoffe Belgien, dass sein politisches Erbe auch in Zukunft respektiert werde. Dem schloss sich Entwicklungshilfeminister Alexander De Croo (Open VLD) an. Er würdigte die Art und Weise Tshisekedis, immer wieder gegen kongolesische Führer vorzugehen, wenn diese ihre Kompetenzen überschritten.

Im Matongé-Viertel in Brüssel, wo viele aus dem Kongo stammende Menschen leben, sowohl Kabila-, als auch Tshisekedi-Anhänger, reagierten die Menschen nach Bekanntwerden des Todes des Oppositionspolitikers eher gelassen und zurückhaltend. Dort spricht man selten öffentlich über Politik…

AP1997