Gastronomie: Flexi-Jobs auch für Rentner möglich?

Belgiens Staatssekretär für den Kampf gegen Betrug, der flämische Liberale Philippe De Backer (Open VLD), plädiert dafür, auch Rentnern die Möglichkeit zu bieten, auf flexible Weise in der Gastronomie ihr Einkommen aufzubessern. Dafür könnte laut De Backer das Flexi-Job-System in Frage kommen. Doch laut Gesetz kann dies nur zur Anwendung kommen, wenn die Beschäftigten schon einen anderen Job haben und das haben Rentner nicht.

Staatssekretär De Backer (kl. Foto) ist sich der Tatsache bewusst, dass Arbeitnehmer in der Gastronomie in Belgien auf flexible Art und Weise zusätzliche Stunden arbeiten können, auch wenn das System der Flexi-Jobs nur Beschäftigte mit festem Arbeitsvertrag andernorts vorsieht. Dies schreibt ein entsprechendes belgisches Gesetz so vor. Doch De Backer fordert deshalb für Rentner eine Ausnahme, wie er gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion andeutete:

„Wir beobachten, dass viele Rentner noch gerne etwas dazuverdienen wollen und das Gastronomie-Gewerbe fordert dringend weitere Möglichkeiten, um Beschäftigte über Flexi-Jobs einsetzen zu können. Hier sehen wir die Möglichkeit, das System der Flexi-Jobs auf Rentner ausweiten zu können.“

Doch die Idee De Backers, der diesen Vorschlag auch im Rahmen seiner Arbeit als Staatssekretär für den Kampf gegen Betrug und somit auch gegen die Schwarzarbeit machte, stößt auf Kritik von Seiten des Koalitionspartners CD&V. Die flämischen Christdemokraten erinnern an die regierungsinterne Abmachung, erst dann Änderungen am Flexi-Job-System vorzunehmen, wenn die Regierung das System nach einem gewissen Zeitraum gründlich analysieren konnte.

Der Staatssekretär allerdings gibt an, inzwischen seien mehr als 20.000 solcher Jobs geschaffen worden, also sei das System ein Erfolg. Bei der CD&V macht man sich vor allem Sorgen über die Finanzierung der sozialen Sicherheit für Arbeitnehmer in diesem Bereich. Und die Partei von Bundesarbeitsminister Kris Peeters will einen exorbitanten Anstieg an „billigen Überstunden“ am Arbeitsmarkt vermeiden.

Am Bedarf vorbei?

Nicht zuletzt führt auch die Selbständigen-Gewerkschaft NSZ Bedenken an. Zuerst solle man das System der Flexi-Jobs auf andere Sektoren ausweiten, damit kleinere mittelständische Unternehmen aus z.B. dem Einzelhandel davon profitieren könnten. Solche Arbeitsstellen an Rentner abzugeben, würde die Probleme am Arbeitsmarkt nicht lösen und sowohl die Nachfrage, als auch das Angebot für Stellen würden hier Nachteile erfahren. Die Gastronomie hingegen begrüßt das Vorpreschen von Staatssekretär De Backer.