Gewalt: Polizisten zeigen vermehrt Bürger an

Immer öfter reichen Polizisten Klage gegen Bürger ein, weil sie sich im Dienst vermehrt verbaler und körperlicher Aggression ausgesetzt sehen. Die Polizeigewerkschaft VSOA ruft dazu auf, noch häufiger Anzeige zu erstatten, denn wenn Polizisten als Zivilkläger auftreten und der Fall von einem Untersuchungsrichter übernommen wird, stehen die Chancen gut, dass ein Angeklagter auch tatsächlich vor Gericht erscheinen muss.

Vincent Houssin (kl. Foto) von der Polizeigewerkschaft VSOA bestätigte einen entsprechenden Beitrag der flämischen Tageszeitung Het Nieuwsblad gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion. Houssin bemerkte auch, dass inzwischen viele Polizeizonen in Belgien unter Gewalt gegenüber ihren Beamten zu leiden haben. Die Zahl der Klagen, die von Polizisten eingereicht werden steige, so der Polizeigewerkschaftler, während gleichzeitig Anzeigen gegen Polizeibeamte sinken.

Das bedeutet, dass die Gewalt nicht von Polizisten ausgehe: „Wir haben in der Tat einige Vorkommnisse in der letzten Zeit erlebt, wie zum Beispiel Personen, die mit ihrem Auto auf Polizeifahrzeuge zusteuerten. Das ist eigentlich versuchter Totschlag.“

Die Polizeigewerkschaft ist der Ansicht, dass betroffene Beamten viel häufiger selbst Anzeige erstatten sollten, um dieser Gewalt entgegenzuwirken:

„Vielleicht kann es passieren, dass die Täter freigesprochen werden oder mit einer milden Strafe davonkommen. Doch mit einer Zivilklage vor einem Untersuchungsrichter hat man zumindest die Garantie, dass die Täter vor einem Gericht erscheinen müssen. Wir beobachten auch in unseren Nachbarländern, dass der Respekt gegenüber den Ordnungskräften enorm sinkt. Hinzu kommt, dass die Justiz in Frage gestellt wird, wenn solche Täter nicht bestraft werden. Das ist ein falsches Signal.“

Inzwischen werden entsprechend geschulte Richter eingesetzt, die solche Klagen bearbeiten und die Kursen zu „Wie mit Gewalt umgehen“ folgen müssen.