"Wir brauchen eine eigene Propaganda gegen IS"

Paul Van Tigchelt (Foto), der Leiter des staatlichen Organs für Bedrohungsanalyse in Belgien, OCAD, forderte vor dem Parlamentsausschuss zur Aufarbeitung der Terroranschläge von 22. März 2016 in Brüssel und Zaventem eine eigene „Propaganda-Maschine, um die positiven Kräfte in unserer Gesellschaft zu empowern.“

Seit Anfang 2016 haben soziale Medien wie Facebook oder Twitter über 600 Accounts in unserem Land entfernt oder blockiert. Auf diesem Wege wurden radikal-islamische Propagandawege und Hassbotschaften aus dem Internet gestrichen. Doch dies reiche nicht und man solle sich nicht nur darauf konzentrieren, das Internet von IS-Propaganda zu säubern, so OCAD-Leiter Paul Van Tigchelt. Die islamistische Terrororganisation IS habe nämlich längst ihre Taktik angepasst.

Wo früher öffentlich Werbung zur Rekrutierung von Jugendlichen für den Kampf in Syrien gemacht wurde, werde heute verborgen daran gearbeitet, „homegrown terrorist fighters“ dazu zu bringen, im eigenen Land Anschläge zu verüben. Van Tigchelt hält dagegen, dass man daran arbeiten müsse, dieser Propaganda mit einer eigenen Story zu begegnen und zwar über die positiven Kräfte in unserer Gesellschaft:

„Nicht nur über die sozialen Medien, auch in Sportvereinen oder in Schulen und Moscheen zum Beispiel. Wir müssen sie (die positiven Kräfte (A.d.R.)) auch dort mit der Jugend sprechen lassen. Das ist sehr wichtig, wichtiger als über negative Maßnahmen, wie das Entfernen von Inhalten aus dem Netz“, so Van Tigchelt gegenüber den Abgeordneten des Parlamentsausschusses zur Aufarbeitung der Anschläge vom 22. März.

Doch, so der OCAD-Leiter, sei dies kein rein belgisches Thema, sondern ein weltweites Phänomen. Also müssten sowohl die Europäische Union, als auch die großen Internet- und Medienkonzerne, wie Google, Facebook oder Twitter daran aktiv mitarbeiten.