VRT-Journalist interviewt Präsident Assad

„Die belgische Regierung hat nicht verhindert, dass syrische Bürger durch IS ermordet wurden. Wofür sollte ich also dankbar sein?“, sagte Syriens Präsident Bashar al-Assad (Foto) in einem Gespräch mit belgischen Journalisten, unter anderem mit VRT-Kollege Jens Franssen. Die Einsätze der belgischen F-16-Kampfbomber über seinem Land nennt Assad rundweg illegal.

VRT-Auslandskorrespondent Jens Franssen hatte am Montag gemeinsam mit Kollegen des flämischen Nachrichtenmagazins Knack und dem frankophonen Sudpresse-Verlag ein Gespräch mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in Damaskus. Das Interview dauerte gerademal 20 Minuten und fand an einem geheimen Ort in der syrischen Hauptstadt statt.

Zwar mussten die belgischen Journalisten ihre Fragen im Vorfeld des Gesprächs einreichen, doch es wurde ihnen die Möglichkeit eingeräumt, weitere Punkte anzusprechen. Laut Jens Franssen nahm sich Assad alle Zeit: „Das Interview verlief ruhig und korrekt.“

Auf die Frage, ob der syrische Präsident Belgien dankbar sei, weil die Regierung sechs F-16er im Kampf gegen IS einsetzte, anwortete Assad rundweg negativ: „Lassen Sie mich ehrlich sein. Das war überhaupt keine Operation gegen IS. Das war eine kosmetische Operation. Und eine eingebildete, denn IS wurde während dieser Operation noch größer. Es war auch eine illegale Operation, denn sie fand ohne die Zustimmung der syrischen Regierung statt, die die legitime Regierung ist. Das ist also eine Schändung unserer Souveränität. Und diese Operation hat nicht verhindert, dass syrische Bürger von IS ermordet wurden. Wofür also muss ich dankbar sein.“

VRT-Kollege Jens Franssen konnte sich vor einigen Tagen von der vollständigen Verwüstung der syrischen Stadt Aleppo ein eigenes Bild machen. Und doch ist Assad nicht der Ansicht, dass die EU oder die Nato eine Rolle im Wiederaufbau seines Landes spielen kann: „Man kann diese Rolle nicht spielen, wenn man gerade dabei ist, Syrien zu vernichten, denn die EU unterstützt die Terroristen in Syrien von Anfang an unter verschiedenen Titeln: humanitäre, gemäßigte und so weiter… Aber sie haben al-Nusra und IS von Beginn an unterstützt. Das waren immer schon Terroristen.“

Sehen Sie das in Englisch geführte Assad-Interviews unter diesem Beitrag:

Rechte Parteien: Achse mit Syrien?

Die drei belgischen Journalisten reisten in den vergangenen Tagen nicht nur nach Syrien, um sich dort ein Bild von den Zerstörungen machen zu können, die dieser seit Jahren dort wütende Bürgerkrieg angerichtet hat. Sie wollten auch herausfinden, warum sich eine auffallende Allianz zwischen dem Assad-Regime und einigen rechtsradikalen und rechten Parteien aus Europa bilden konnte.

Zu diesen Parteien gehören auch die flämischen Rechtsradikalen Vlaams Belang und die frankophonen Rechtspopulisten Parti Populaire. Das Vlaams Belang-Mitglied, der Parlamentsabgeordnete Filip Dewinter, reiste sehr zum Unmut seiner Partei bereits mehrmals nach Syrien, wo er jedes Mal von Präsident Assad empfangen wurde. Auch jetzt ist Dewinter wieder dabei und zwar in Begleitung weiterer Vlaams Belang-Mitglieder, also folglich mit Zustimmung seiner Parteiführung.