Gesichtserkennung über Verkehrskameras?

In den kommenden Jahren wollen die belgischen Verkehrsbehörden eine neue Art von Kameras zur Verkehrsüberwachung einführen. Doch offenbar sind diese Kameras zu deutlich mehr fähig, als lediglich zur Erkennung und Registrierung von Autokennzeichen. Nach einer Meldung des flämischen Nachrichtenmagazins Knack nehmen diese Kameras die vollständigen Fahrzeuge auf und können sogar die Insassen erkennen. Öffnet dies den Weg zur allgemeinen Gesichtserkennung für die Polizei? Privacy-Schützer sind alarmiert.
Tony Margiocchi / Barcroft Media

Im vergangenen Jahr entschied die belgische Bundesregierung die Einführung von sogenannten ANPR-Kameras (automatic number plate recognition) entlang der Autobahnen in unserem Land. Schon jetzt registrieren solche Kameras Kennzeichen an bestimmten Straßenkreuzungen und auf den Zufahrtstraßen zu den Flughäfen von Zaventem bei Brüssel und Charleroi in der Provinz Hennegau. Sie sollen in erster Linie für Verkehrssicherheit sorgen, werden aber schon jetzt auch im Kampf gegen Terrorismus und gegen organisierte Kriminalität eingesetzt.

Doch ein für Knack schreibender Journalist fand jetzt in der 200 Seiten umfassenden Gebrauchsanleitung für diese ANPR-Kameras heraus, dass diese auch für die Gesichtserkennung bzw. für Gesichts-Scanning geeignet sind. Noch ist diese Möglichkeit nicht in der Anwendung, so Knack, doch dies könnte bald der Fall sein. Offenbar besteht in der aktuellen Mehrheit der Wille, dies überall in Belgien zu ermöglichen.

Inzwischen ist die staatliche belgische Kommission zum Schutz des Privatlebens damit beschäftigt. Auch andere Privacy-Schützer sind alarmiert. Dieses System ist nur ein Beispiel dafür, so Knack, dass der Wille der Behörden, das gesamte Tun und Lassen der Belgier zu überwachen, so langsam umgesetzt wird. Allerdings fehlt dazu jedwede politische Debatte und ob dies eine gesellschaftliche Tragfläche finden kann, ist ohne eine entsprechende demokratische Auseinandersetzung ebenfalls fraglich - auch in Zeiten akuter Terrorbedrohung.