Fluglärm: Brussels Airport verlegen?

Im Streit um Fluglärm und Flugrouten am Brüsseler Flughafen in Zaventem hat der flämischen Liberale Guy Vanhengel, Haushaltsminister der Brüsseler Regionalregierung, im Interview mit der Zeitung „La Libre Belgique“ vorgeschlagen, Brussel Airport mehr ins Inland zu verlegen. Flanderns Mobilitätsminister Weyts reagiert: „Ernst nehmen kann man das doch nicht“.

In der Wochendendausgabe der Brüsseler Tageszeitung „La Libre Belgique“ sagte Minister Vanhengel (Foto), man könne den Brüsseler Flughafen vielleicht um 1.800 Meter verlegen. An den strengeren Brüsseler Fluglärmnormen werde sich auf jeden Fall nichts mehr ändern.

Mit verlängerten Start- und Landebahnen am Brussels Airport in Zaventem seien die Flugzeuge höher in der Luft sind, wenn sie die dicht besiedelte belgische Hauptstadt überfliegen.

Denkbar seien auch Flugrouten über weniger besiedelte Gebiete in den flämischen Anrainergemeinden. Ein Teil der Frachtflüge könnte zudem nach Lüttich oder Ostende ausgelagert werden, so Minister Vanhengel.

Unverständnis

Flanderns Mobilitätsminister Ben Weyts (Foto) reagiert prompt und mit wenig Verständnis für die Verlegung des Flughafens Richtung Leuven (dt. Löwen). Er stellte klar, einen solchen Vorschlag könne man unmöglich ernst nehmen. Dann müssten in Flämisch-Brabant ganze Dörfer und Gemeinden verschwinden.

Betroffen seien mehr als 50.000 Einwohner der Gemeinden Haacht, Kortenberg und Steenokkerzeel, nur um die Flüge über Flandern zu konzentrieren und so Brüssel zu verschonen. „Ich gehe davon aus, dass genau dies beabsichtigt wird. Nun denn, ich glaube nicht, dass man so etwas ernst nehmen kann“, so Minister Weyts in einer Reaktion auf den Vanhengel-Vorschlag.

Gwendolyn Rutten, die Parteivorsitzende der flämischen Liberalen Open VLD, pfiff ihren Parteifreund Vanhengel am Vormittag über Twitter zurück. „Den Flughafen verlegen? Nein, nicht mit Open VLD“, schrieb Rutten. Sie fügte hinzu, es sei besser, nach Lösungen zu suchen, anstatt zu polarisieren.

Am Freitag war ein Treffen zwischen Vertretern der Brüsseler und der flämischen Regierung verlaufen. Ab kommenden Montag soll eine Arbeitsgruppe nach einem Kompromiss für die Verteilung der Flugrouten und des damit verbundenen Fluglärms suchen.

Kurt Desplenter