Ältere Arbeitnehmer bleiben in Belgien zu teuer

Die seit einiger Zeit in Belgien eingeführte Senkung der Lohnnebenkosten, die es den Unternehmern leichter machen soll, ältere Mitarbeiter weiter zu beschäftigen oder gar einzustellen, hat bisher kaum zu einer nennenswerten Veränderung in dieser Hinsicht geführt. Dies ist aus einer Universitätsstudie ersichtlich, die jetzt veröffentlicht wurde.

Die Universitäten von Gent (Flandern) und Louvain-La-Neuve (Wallonie) haben sich über die von der belgischen Bundesregierung eingeführte Senkung der Lohnnebenkosten gebeugt und versucht zu analysieren, ob diese tatsächlich einen positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt. Doch gerade im Bereich der Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern, z.B. den über 50 Jahre alten Arbeitnehmern, hat sich kaum etwas nennenswert verändert.

Das Resultat der Universitätsstudie ist ernüchternd: Die Senkung der Lohnnebenkosten ist, so wie sie sich derzeit präsentiert, einfach zu gering, um einen positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt zu haben. Ältere Arbeitnehmer bleiben dadurch für die Unternehmer und Arbeitgeber weiterhin zu teuer.

Offenbar bleibt dieser Personenkreis für die Arbeitgeber zu kostenintensiv. Beschäftigte über 50 Jahre bleiben relativ teuer, wenn man sich das Verhältnis zwischen dem, was diese mit ihrer Produktivität einem Unternehmen einbringen und dem, was sie kosten (Gehalt), anschaut. Wenn also, wie die Universitäten errechneten, dieser Unterschied größer ist, als das, was die Nebenkostensenkung einbringt, ist die Rechnung schnell gemacht. Und diese fällt im Bereich 50+ sehr negativ aus.

Für die Arbeitgeber bleiben ältere Mitarbeiter also weiterhin zu teuer. Sie werden, wo es in Belgien noch geht, in Vorruhestand oder Frührente geschickt oder schlicht und einfach entlassen. Und die Arbeitsämter finden für diesen spezifischen Personenkreis kaum noch einen passenden Job. Damit schließt sich dieser Kreis, entgegen den Erwartungen der Politik, auf eine negative Art und Weise und verändert an der derzeitigen Situation eigentlich überhaupt nichts.

Experten empfehlen jetzt, die durch die Senkung der Lohnnebenkosten freiwerden Gelder nicht einfach allen über 55jährigen Beschäftigten zuzuschanzen, sondern sie direkt und konkret auf Betroffene zu konzentrieren, die die niedrigsten Löhne oder Gehälter erhalten.