Brexit bringt renommiertes Orchester nach Belgien

Eines der erfolgreichsten Orchester Großbritanniens zieht nach Belgien um. Das European Union Baroque Orchestra (EUBO) verlässt seinen Stammsitz in Oxfordshire und hat sich eine neue Bleibe in Antwerpen ausgesucht. Das EUBO begründet diesen Schritt mit Unsicherheiten in Folge des Brexit, wie die britische Tageszeitung The Guardian meldete. Zu dem Orchester gehören Musiker aus 14 verschiedenen Ländern.

Der Umzug des seit 1985 gegründeten European Union Baroque Orchestra von Wootton, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Oxford im Südosten Englands nach Antwerpen steht kurz bevor. Schon im Mai soll das Orchester in London sein letztes Konzert in ihrer alten Heimat geben, schreibt The Guardian.

In Antwerpen wird das Orchester ins Augustinus Musikzentrum ziehen, das sich auf Musik aus dem Mittelalter, der Renaissance und  dem Barock konzentriert. Der Umzug nach Belgien ist eine Folge des Brexit, der Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen. Das Orchester befürchtet enorme organisatorische und logistische Probleme in einem Großbritannien ohne EU. Schließlich kommen die Musiker des EUBO aus insgesamt 14 verschiedenen EU-Ländern.

In dem Augenblick, in dem der Brexit vollzogen ist, befürchtet das Orchester, dass es mit der freizügigen Bewegung zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union aus ist.

Die Befürchtungen haben aber noch weiteren Ansätze. Zum einen stellt sich die allgemeine Frage, wie lange noch Orchester in der Union auf britische Musiker zurückgreifen und Unsicher ist auch, wie es mit britischen Ensembles aller Musikstile überhaupt auf dem europäischen Festland sein wird. Werden sie noch zu Konzerten, Festivals oder Tourneen eingeladen.

Viele sind betroffen

Vieles ist unklar. Auch die Bewegung in die Gegenrichtung. Kann das European Union Baroque Orchestra nach dem Umzug nach Antwerpen in Zukunft überhaupt noch in Großbritannien spielen. Niemand weiß derzeit eine klare Antwort darauf. Nicht nur das EUBO ist davon betroffen. Auch andere im Bereich der klassischen Musik aktiven Orchester und Ensembles schauen über den Ärmelkanal, um eine Alternative für die Zeit nach dem Brexit zu suchen.

Das betrifft laut The Guardian auch das ein hohes internationales Ansehen habende European Youth Orchestra (EUYO), dass seit seiner Gründung in London gefestigt ist. Dieses Orchester hat sogar bereits Einladungen aus anderen EU-Ländern erhalten, sich dort niederzulassen. Bei einem „harten Brexit“ erwägt das EUYO tatsächlich den Schritt, das Vereinigte Königreich zu verlassen.

Zurück in alte Zeiten…?

Für viele Musiker drohen nach dem Brexit schwere Zeiten. Heute Konzertreisen sind innerhalb der EU logistisch völlig problemlos. Hier bietet die Union deutliche Erleichterungen in Sachen Verzollung der Instrumente und der Requisiten und Visumfragen gibt es auch nicht mehr. Auf die britischen Musiker und Ensembles aller Art wird dieses wohl wieder zurückkommen (siehe einige Zeilen höher). Kaum jemand wünscht sich, dass die alten Zeiten von komplizierten Zollformalitäten vor Konzertreisen diesseits und jenseits des Ärmelkanals zurückkommen. Ob das so sein wird, hängt vom Verhandlungsgeschick der britischen Verantwortlichen ab.

Dieses Problem sorgt übrigens nicht nur im Musik- und Kulturbereich für Sorgenfalten auf den Stirnen. Auch in Bildungs- und Universitätsbereich tut sich derzeit so einiges. Die weltbekannte Universität von Oxford plant die Eröffnung einer Filiale in Paris. Forschung und Wissenschaft sind in vielfältigen Bereichen von Zuschüssen aus der Europäischen Union abhängig, auch so renommierte Institute, wie die Universität von Oxford.