Nachbarländer verkaufen viel mehr Generika als Belgien

Wenn Ärzte mehr Generika verschreiben würden, könnten die Patienten jedes Jahr 55 Millionen Euro einsparen und die Regierung gar 150 Millionen Euro. Das schreibt die Zeitung De Tijd an diesem Dienstag und sie basiert sich dabei auf eine Untersuchung der unabhängigen Krankenkassen bei ihren Kunden.

Generika sind die günstigere Variante von Marken-Arzneimittel, das heißt es sind wirkstoffgleiche Kopien von bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikamenten.

Sie werden in Belgien aber noch viel zu wenig verschrieben, vor allem wenn man die Zahlen mit den Nachbarländern vergleicht. Claire Huyghebaert von den unabhängigen Krankenkassen betonte im VRT-Radio an diesem Dienstagmorgen: "Wir haben aus unserer Analyse eine positive Entwicklung in Belgien herauslesen können, aber wir stellen auch fest, dass im Vergleich zu den Nachbarländern Verbesserungsbedarf besteht. 2015 handelte es sich bei 30 Prozent der von Ärzten verschriebenen Arzneimittel in Belgien um ein Generikum. In den Nachbarländern wie im Vereinigten Königreich und in Deutschland betrug der Anteil hingegen rund 80 Prozent."

Chris Van Hul, Experte bei den unabhängigen Krankenkassen, meint: "Ich denke, man muss noch mehr informieren. Ärzte und Patienten müssen noch mehr von der Gleichwertigkeit der Generika mit bereits auf dem Markt bestehenden Marken-Arzneimitteln überzeugt werden. Ferner sollten auch einige Rechtsvorschriften eingeführt werden, denn in anderen Ländern, in denen das System besser funktioniert, ist auch der juristische Kontext ein anderer."

Vor drei Jahren führte die Regierung neue Vorschriften ein, damit mehr Generika verkauft werden. Die Ärzte dürfen seither Rezepte mit den Namen von Inhaltsstoffen ausstellen. Der Apotheker muss dann dem Patienten die billigste Variante anbieten. Doch dieser Vorschrift wird nicht immer nachgekommen, sagt Lieven Zwaenepoel vom Apotherkerverband. Die Ärzte geben mehrheitlich noch immer die Namen der Medikamente und nicht der Inhaltsstoffe an. "Bei weniger als 10 Prozent der Rezepte sind die Inhaltsstoffe angegeben. Stehen Inhaltsstoffe auf dem Rezept, ist der Apotheker verpflichtet, dem Patienten nicht nur das billigere, sondern das billigste Medikament auszuhändigen."

Der Apotheker habe dadurch auch mehr Bewegungsfreiheit bei der Behandlung, so Zwaenepoel noch.