Brüssel: Verdächtiges Fahrzeug - Kein Terrorfall

Die Polizei von Brüssel hat am späten Donnerstagnachmittag ein verdächtiges Fahrzeug, das mit 2 Gasflaschen beladen war, an der Hallepoort (Foto unten) in Brüssel auf Höhe der Waterloolaan abgefangen. Die Gegend um den Einsatzort wurde abgeriegelt und der Kampfmittel-Räumdienst der Armee, Dovo, untersuchte den Wagen. Am Freitag wurde der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt.

Vorläufig wurde auch die Metrostation Hallepoort geschlossen und geräumt. Allerdings fuhren die Metrozüge der Linien 2 und 6 sowie die Trams der Linien 3, 4 und 51 weiter, hielten jedoch nicht an der Station. Nach Polizeiangaben hatte der Wagen, ein kleiner weißer Lieferwagen (Foto oben), vorher mehrere rote Ampeln überfahren. In dem Wagen befand sich mit dem Fahrer offenbar nur ein Insasse.

Vorsorglich evakuierte die Polizei auch einige naheliegende Wohnungen. Der Vorfall sorgte für erhebliche Verkehrsprobleme in der abendlichen Stoßzeit in Brüssel, denn die Waterloolaan wurde in beiden Richtungen gesperrt.

Nach Aussagen von Charles Piqué (PS), Bürgermeister des Brüsseler Ortsteils Sint-Gillies, konnte der Fahrer des Wagens festgenommen werden. Bei ihm soll es sich um einen den Behörden bekannten radikalisierten Islamisten handeln, der bereits in einem Terrorprozess unter Anklage gestanden hat, wie die VRT-Nachrichtenredaktion herausfinden konnte.

Der Kampfmittel-Räumdienst hatte die Türen des Lieferwagens mit einem Knall geöffnet, was nach einer Meldung der Webseite der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ mehrere Personen deutlich erschreckt hatte.

Ermittlungsstand am Donnerstagabend

Nach dem aktuellen Ermittlungsstand fiel der Verdächtige der Polizei auf, als er mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Polizisten hatten den Mann verfolgt und an der Hallepoort gestoppt. Bei einer Identitätskontrolle wurde deutlich, dass der Mann als radikalisierter Islamist bekannt war und bereits in einem Terrorprozess zu einer Bewährungsstrafe von fünf Jahren verurteilt wurde.

Als die Polizisten den 27jährigen Mann aufforderten, den Laderaum seines Lieferwagens zu öffnen, weigerte sich dieser, wonach die Beamten Terroralarm schlugen.

Nach Ansicht von Ine Van Wymersch, der Sprecherin der Brüsseler Staatsanwaltschaft, ist allerdings nicht erwiesen, dass der Mann an der Vorbereitung eines Anschlags teilhatte. Er habe angegeben, soeben zwei Gasflaschen erworben zu haben. Die Spurensicherung fand zudem keine Hinweise auf Manipulationen oder Zünder, so die Staatsanwaltschaft. Für Spekulationen sieht weder die Polizei, noch Bürgermeister Piqué einen Grund.

Kein Terrorfall

Am Freitag wurde der Mann, der nach seiner Verurteilung in einem Terrorprozess als „Gefährder“ gilt, wieder auf freien Fuß gesetzt. Hinweise auf einen Anschlag oder auf die Planung eines Attentats liegen nach den ersten Ermittlungsergebnissen nicht vor, so die Brüsseler Staatsanwaltschaft.

Der Mann beharrte darauf, dass die beiden Gasflaschen, eine leere und eine volle, zum Privatgebrauch genutzt wurden. Eine Gefahr habe zu keiner Zeit bestanden, so die Staatsanwaltschaft, doch die Polizei wollte am frühen Donnerstagabend kein Risiko eingehen, als sie festgestellt hatte, um wen es sich bei dem Verdächtigen handelte. Schließlich hatte der Mann Verbindungen zu Verdächtigen im Fall der Terroranschläge vom 22. März 2016.