Sterbehilfe: Deutscher Kardinal kritisiert Belgien

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat die Sterbehilfe-Debatte in Belgien kritisiert. Aktive Sterbehilfe als Menschenrecht zu verstehen, nannte Müller in einem Interview mit der katholischen flämischen Wochenzeitung "Tertio" "schlimm" und "traurig".
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Immer mehr Gruppen von Menschen könnten aktive Sterbehilfe in Belgien beantragen, etwa Minderjährige, Menschen mit einer psychischen Krankheit oder Demenz-Patienten. Die Betroffenen fürchteten, ihren Mitmenschen zur Last zu fallen, sagte Müller. Doch dabei handle es sich um eine "falsche Vorstellung". Das Leben sei ein Geschenk. "Es ist nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, ob ein Leben noch Wert hat", betonte der Kurienkardinal.

In Belgien ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Umständen kein Straftatbestand. Die Nachfrage steigt stetig. Seit Februar 2014 gibt das Land als erstes weltweit keine Mindestaltersgrenze für aktive Sterbehilfe mehr vor. In dem Interview mit „Tertio“ äußerte sich Kardinal Müller auch über das christliche Verständnis von Barmherzigkeit. Dies sei nach den Worten des Kurienkardinals "kein 'Freibrief', um zu sündigen oder weiterhin in Sünde zu leben".

Vielmehr müsse der Sünder seine Tat bereuen und sich ernsthaft darum bemühen, sein Fehlverhalten nicht zu wiederholen, so Müller. Im November 2016 endete das von Papst Franziskus ausgerufene "Heilige Jahr der Barmherzigkeit". Zum Eheverständnis der katholischen Kirche sagte Müller, dass die "Unauflöslichkeit" der Ehe bestehen bleibe: "Es gibt keine Umstände, in denen Ehebruch keine Todsünde wäre.“ Auch das Papstschreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie stehe dazu nicht im Widerspruch.

Gerhard Ludwig Kardinal Müller ist Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche und seit dem 2. Juli 2012 Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Er war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg.

Tertio ist ein katholisches flämisches Wochenblatt, zu dem auch eine Webseite und ein regelmäßig erscheinender Newsletter gehört. Dieses Blatt wurde im Jahr 2000 gegründet und vermittelt katholische Standpunkte, doch es bietet auch Raum für andere christliche Glaubensrichtungen und schreibt über protestantische, orthodoxe en anglikanische Traditionen.