23 Tote in Belgien durch VW-Dieselskandal?

Nach den Ergebnissen einer internationalen Studie, an der auch die Universität Hasselt in der Provinz Limburg mitarbeitete, könnten rund 1.200 Todesfälle in Europa auf erhöhte Schadstoffwerte durch den Dieselskandal zurückzuführen sein. 23 dieser Todesfälle sollen die Folge dieses Skandals alleine bei uns in Belgien vorgekommen sein, so die Studie.

Der deutsche Volkswagen-Konzern baute eine als „Schummel-Software“ bekannt gewordene Anlage in die Fahrzeuge seiner Marken ein, die den Schadstoffausstoß bestimmter Motoren manipulieren konnte. In Wirklichkeit lag der effektive Schadstoffausstoß teilweise viermal so, wie angegeben, bzw. wie die Norm in der Europäischen Union zulässt. Und auf der Straße liegen die Ausstoßwerte der Erfahrung nach noch höher, als in den Testlabors, in denen die Motoren getestet wurden.

Inzwischen wird immer deutlicher, dass die „Schummel-Software“ von Volkswagen einen negativen Einfluss auf die Volksgesundheit in Europa (und wohl auch darüber hinaus) hatte. An der Studie der US-Universitäten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Harvard arbeiteten auch europäische Unis mit, unter anderem die Universität Hasselt (UHasselt). Die Resultate dieser Studie erschienen u.a. in der Wissenschaftszeitschrift “Environmental research letters”.

Professor Robert Malina von der UHasselt sagte dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass die Folgen des massiven Schadstoffausstoßes durch die manipulierende VW-Software europaweit rund 13.000 Lebensjahre gekostet habe, sprich 1.200 Menschenleben. Statistisch gesehen sind davon 23 Belgier betroffen, die frühzeitig gestorben sein könnten, so Malina.

Sein Hasselter Universitätskollege, der Wissenschaftler Tim Nawrot, nannte die „Schummel-Software“ von Volkswagen einen Anschlag auf die Volksgesundheit und dies nicht nur aus rein gesundheitlichen Gründen. Die Folgen davon würde auch das Gesundheitswesen in Europa zu tragen haben. Laut der Studie schlagen die Folgen des hohen Schadstoffausstoßes mit 1,9 Mia. € zu Buche. Der Löwenanteil davon fällt in die Hand der Patienten, sprich der Krankenkassen, sich ist davon auch die öffentliche Hand betroffen, sprich das staatliche Gesundheitswesen.

Doch vielleicht ist ja Volkswagen und sein Dieselskandal nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn bekanntlich haben mehrere weltweit aktive Autohersteller mit ihren manipulierten Abgaswerten Behörden und Kunden betrogen. Das Problem ist demnach wohl weitaus größer. Die vorliegende Studie befasste sich ausschließlich mit der Volkswagen-Gruppe.

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Warum spielt Belgien hierbei eine Rolle?

Ganz einfach: Zum einen sind in unserem Land rund 315.000 Fahrzeuge der Marken Volkswagen, Audi, Skoda und Seat mit Motoren ausgerüstet, in die die Manipulation-Software eingebaut wurde. Zum anderen weht der Ostwind schlechte Luft aus Richtung Deutschland nach Belgien herüber, was wiederum für Erkrankungen und Todesfälle gesorgt haben könnte.

Für das belgische Bundesland Flandern ist dies ein enormes Gesundheitsproblem, denn hier ist die Luft ohnehin schon besonders schlecht durch die engmaschigen Ballungsräume und die großflächigen Industriegebiete. Die Abgase von vielen tausend schadstoffreichen PKW-Motoren lassen diese Werte noch einmal erheblich und empfindlich steigen.