Flämische Unternehmen haben Brexit-Angst

Im belgischen Bundesland Flandern wollen Unternehmer aus allen Bereichen und Provinzen alles daran setzen, die Folgen des anstehenden Brexit gemeinsam abzufedern. Flandern wird als Exportregion wirtschaftlich vom Austritt der Briten aus der Union besonders betroffen sein. Der flämische Unternehmerverband VOKA und Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA) haben am Montag in der Provinz Westflandern gemeinsam ein Plädoyer für die Europäische Union gehalten.
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Die Unternehmen in Westflandern fürchten nach dem Brexit unter hohen Einfuhrzöllen zu leiden, wenn sie ihre Produkte auf die britischen Inseln bringen wollen. Schon jetzt haben sie Probleme durch den tiefen Kursstand beim britischen Pfund, doch nach Aussagen des flämischen Unternehmerverbandes VOKA sind die Probleme langfristig weitaus größer. Flandern trägt den Löwenanteil des belgischen Exports nach Großbritannien. Das Vereinigte Königreich ist der viertgrößte Handelspartner Flanderns. 87,15 % des belgischen Exports über den Ärmelkanal kommt aus Flandern, ruft VOKA in Erinnerung.

Besonders in Westflandern ist die Angst vor den Brexit-Folgen groß. Hier machen Unternehmen in den Bereich Tiefkühllebensmittel und Textil bisher gute Geschäfte mit den britischen Inseln. Die westflämische Textilindustrie befürchtet nach einem Austritt Großbritanniens einen Export- und Umsatzrückgang um 30 %, meldet die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd dazu am Montag. Besonders schwer wird auch der Hafen von Zeebrügge betroffen sein, denn über diesen Hafen wird ein Großteil des Transportvolumens im Ex- und Import zwischen der EU und Großbritannien abgewickelt (siehe nebenstehenden Beitrag).

VOKA-Westflandern fordert denn auch einen Unternehmer- und Handelsfreundlichen Brexit. „Ein harter Brexit ist für unsere export-gerichtete Wirtschaft eine Katastrophe.“, sagte VOKA-CEO Hans Maertens (kl. Foto) gegenüber Colin Stanbridge von der Londoner Handelskammer am Montag bei einem gemeinsamen Treffen. Stanbridge sagte dazu, dass man mit dem Resultat des Referendums zum Brexit so seine Probleme gehabt habe, doch nun sei es an der Zeit, gemeinsam in die Hände zu spucken: „Der Brexit ist zu wichtig, um den Politikern zu überlassen. Die Unternehmer müssen das selbst tun. Wir wollen den bestmöglichen Handelsdeal. Dann muss man nicht auf die Politik warten, sondern deutlich machen, worin der Unterschied für ihr Unternehmen und dessen Beschäftigte liegt.“

Bourgeois: "Brexit ist prioritär"

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois von den flämischen Nationaldemokraten N-VA gab dazu an, dass der Umgang mit dem Brexit für seine Landesregierung eine Priorität sei: „Nach Irland wird Flandern in Europa den Brexit am stärksten fühlen. Es ist denn auch eine Priorität für meine Regierung, den Brexit vorzubereiten. Einige Leute wollen die Briten für ihre Wahl bestrafen. Doch wir dürfen unsere wirtschaftlichen Belange dabei nicht aus den Augen verlieren.“

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