Gent ohne Autos: E-Busse sollen es richten

Am 3. April 2017 wird die autofreie Zone in der Innenstadt von Gent deutlich ausgeweitet. Um auch weitgehend auf mit Diesel angetriebene Busse verzichten zu können, setzt die Stadt ab diesem Tag drei Elektrobusse ein, die für die Fahrgäste kostenfrei die Innenstadt durchkreuzen. Andere motorisierte Verkehrsteilnehmer werden es in Gent in Zukunft schwer haben.

Gent organisiert den Einsatz dieser E-Busse übrigens selbst, denn die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn konnte dies auf Nachfrage der Stadtverwaltung nicht übernehmen. Gent hatte De Lijn bereits im Mai 2016 darum gebeten, einen Innenstadtverkehr mit elektrischen Bussen zu gewährleisten, doch dies sei unmöglich gewesen, sagte Davy Van Swael, der Sprecher von De Lijn-Provinz Ostflandern, dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion:

„Wir sind an Ausschreibungen für den Ankauf von Fahrzeugen gebunden, und sie müssen wissen, dass wir nicht über solche elektrischen Fahrzeuge verfügen. Also müssen wir diese kaufen und das dauert 12 bis 18 Monate, bevor wir darüber verfügen können. Da der neue Verkehrsplan und die elektrischen Busse schon im April genutzt werden, war das für uns nicht umsetzbar und wir konnten auf diese Anfrage nicht eingehen.“

Die Stadt Gent wird jetzt jährlich über eine halbe Million Euro aufbringen, um die E-Busse betreiben zu können. Doch De Lijn arbeitet seinerseits ebenfalls an einer nachhaltigeren Mobilität und will ab 2025 in allen flämischen Städten mit Elektrobussen antreten.

Problem Pizza

Ab dem 3. April sind in der Genter Innenstadt auch keine benzinbetriebenen Roller, Mopeds oder Motorräder mehr erlaubt, die keine B-Klasse-Zulassung haben. Das bedeutet auch, dass die Pizzakuriere ein Problem haben werden. Die Motorroller der Pizzalieferanten sind nämlich ab diesem Stichtag ebenfalls nicht mehr in der autofreien Zone erlaubt.

Bisher hatten sich die Genter Pizzabäcker, die ihre Produkte aus Haus liefern, damit nicht auseinandergesetzt und fühlen sich jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt. Aufschub ist allerdings nicht mehr möglich, so Gents Stadtverordneter für Verkehr und Mobilität, Filip Watteeuw von den flämischen Grünen (Groen).

Die Pizzakuriere berufen sich jetzt auf Antwerpen und seine gerade eingeführte Umweltzone, in der nur noch schadstoffarme Fahrzeuge zugelassen sind. Hier habe es eine Übergangsphase gegeben, bei der niemand ein Bußgeld bekam und mit einer Verwarnung davon kam - diese Phase ist allerdings seit dem 1. März zu Ende. Vielleicht sollten die Pizzakuriere auf schadstoffärmere Mopeds zurückgreifen (Klasse A) oder auf Elektroroller umrüsten, so die Stadtverwaltung.

A propos Antwerpen

Hier hat die Stadtverwaltung jetzt ein eigenes Problem. Viele Fahrzeuge des Antwerpener Fuhrparks haben keine schadstoffarmen Antriebe und dürfen in die Umweltzone nicht mehr hineinfahren. Das betrifft unter anderem auch Müllwagen und die Kehrmaschinen. Und die lokale Polizei hat auch noch den einen oder anderen Bulli, der hier nicht mehr zugelassen ist.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten