Verursacht die Gastronomie den Anstieg der Inflation?

Die Preise in der Gastronomie, für Telekommunikation und für kulturelle Dienstleistungen steigen in Belgien stärker und schneller als in unseren Nachbarländern. Dies belegt eine Studie im Auftrag von Belgiens Wirtschaftsminister Kris Peeters (CD&V). Diese drei Bereiche stehen für gut die Hälfte des Unterschieds bei der Inflation gegenüber den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Besonders sticht hier die Gastronomie heraus.

Warum aber sticht die Gastronomie in Belgien derart heraus? Der Grund dafür ist die verpflichtete Einrichtung der sogenannten „Weißen Kassen“. Diese „Weißen Kassen“ sind Registrierkassen, die im hiesigen Gaststättengewerbe gegen Schwarzarbeit zum Einsatz kommen. Dieses System sorgt dafür, dass die Löhne in diesem Bereich gestiegen sind. Diese Mehrkosten geben die Gastronomen fast durchweg an die Kundschaft weiter und zwar durch steigende Preise.

Die Statistik zur Inflation von Bundeswirtschaftsminister Peeters greift der Gastronomiesektor jetzt auf, um einmal mehr für eine drastische Senkung der Lohnnebenkosten und der Steuer auf Arbeit in diesem Bereich zu plädieren. Danny Van Assche (kl. Foto) vom Hotel-, Restaurant-, und Caféverband Flandern (Horeca Vlaanderen) gab gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion unumwunden zu, dass sein Bereich eine Mitschuld an der steigenden Inflation im Lande trägt:

„Wir sehen einen enormen Kostenanstieg gegenüber anderen Sektoren und anderen Ländern, vor allem seit 2016. Nicht zufällig ist dies das Jahr, in dem die Registrierkassen in unserem Sektor verpflichtet wurden.“ Auf die Frage, ob man denn anstelle von steigenden Preisen nicht vielleicht die Gewinnmargen senken könnte, reagierte Van Assche ablehnend:

„Diese Marge ist natürlich schon besonders klein. Betrachtet man die offiziellen Zahlen, dann kann man sehen, dass die Marge in der Gastronomie so gut wie negativ ist, denn die Registrierkassen sorgen dafür, dass jetzt alle Kosten aufgelistet werden. Dass diese Kosten jetzt effektiv anstehen, sorgt dafür dass sie zum Großteil an die Kunden weiterverrechnet werden.“

Die belgische Regierung habe bereits einiges getan, um die Lage im Gaststättenbereich zu entspannen, z.B. durch günstigere Berechnungen für Überstunden und Gelegenheitsarbeit. Doch eine echte Lösung des Problems könne derzeit nur über eine Senkung der sozialen Lasten auf Arbeit in diesem Sektor kommen, so die verschiedenen Gastronomieverbände des Landes. Der Betrieb in Hotels, Restaurants und Cafés sei nun mal ein sehr arbeitsintensives Unterfangen.