22/3: Nur knapp 15 % der Anschlagsopfer vergütet

Fast ein Jahr nach den Anschlägen vom 22. März 2016 auf Brüssel und Zaventem sind noch nicht einmal 15 % der direkt betroffenen Opfer vergütet worden. Belgiens Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) wirft den Versicherungen vor, die entsprechenden Dossiers zu träge zu bearbeiten. Die Versicherungen wollen den Vorwurf allerdings nicht auf sich sitzen lassen.
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Bei den Anschlägen auf den Brussels Airport in Zaventem und die Metrostation Maalbeek in Brüssel kamen 32 Personen ums Leben und etwa 300 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Erst im Februar konnte das letzte Anschlagsopfer das Krankenhaus wieder verlassen. Allerdings befinden sich noch mehrere der Opfer in einem Reha-Zentrum, um zu lernen, wie sie mit ihren durch die Attentate verursachten Behinderungen praktisch weiterleben können.

Dass bisher nur ein Bruchteil der Opfer der Anschläge von den Versicherungen vergütet wurde, hält Bundesgesundheitsministerin De Block (kl. Foto) für unerträglich: „Es ist doch an den Versicherungen, die Dossiers der Opfer zu behandeln und diese Leute auszubezahlen. Betroffene erzählen uns, dass Dokumente verloren gegangen seien und dass sie sehr lange darauf warten müssen, angehört zu werden. Ich bitte die Versicherungen darum, einen Zahl zuzulegen, denn sonst werden diese Leute ein zweites Mal Opfer.“

Assuralia, der Dachverband des belgischen Versicherungswesens, reagierte umgehend auf die Vorwürfe der Ministerin. Die Versicherungen geben an, dass den Angehörigen der bei den Anschlägen ums Leben gekommenen Anschlagsopfer sehr wohl schnell Entschädigungen ausbezahlt worden seien.

"Verantwortung übernommen"

Bei den Überlebenden, sprich den Verletzten, müsse oft abgewartet werden, wie die tatsächlichen Folgen für die Betroffenen aussehen, sagte Wouthier Robyns vom Versicherungsverband Assuralia gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion:

„Ich glaube, dass die Versicherer ihre Verantwortung übernommen haben. Wir haben versucht, von Anfang an wissen zu lassen, welche Versicherungen verpflichtet Terrorfolgen aufzunehmen, Versicherungen, auf die die Menschen also zählen können. Wir haben auch mit dem Krisenzentrum des Innenministeriums zusammengearbeitet, um diese Informationen weiterleiten zu können. Die meisten Opfer haben auch Zugang zu einer Rechtsbeistands-Versicherung, die ihnen in allen Vorgängen gegenüber Dritten zur Seite stehen, also auch gegenüber anderen Versicherungen.“

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