Genterin fühlt sich verpflichtet, Besetzer ihres Hauses vor Gewaltaktionen schützen zu lassen

Noch am gestrigen Freitag hatte S.B. aus Gent einen Hilferuf auf Facebook gepostet. Ihr Haus ist während ihrer Abwesenheit im Ausland von Roma besetzt worden und die Polizei kann vorerst nichts dagegen unternehmen. Doch die Hassberichte, die gegen die Hausbesetzer im Internet folgten, bereiteten der Frau Sorgen, so dass sie jetzt dazu aufruft, die Roma, die ihr Haus belagern, schützen zu lassen.

In einem neuen Bericht auf Facebook appelliert sie nicht nur an die Gesellschaft, vertragsam miteinander umzugehen und spricht sich gegen Hass und Rassismus aus, sondern bittet, falls nötig, auch um Polizeischutz für die Roma-Familie in ihrem Haus. Außerdem verlangt sie von den Politikern, endlich ein Gesetz auf den Weg zu bringen, damit derartige Situationen künftig verhindert werden können.

"Unser Aufruf auf Facebook löste eine Flut von Reaktionen aus. Dabei zeigten sich viele Menschen ernsthaft besorgt, erstaunt und solidarisch mit uns wegen der Tragödie, in der wir uns - und viele andere sich - befinden. Wir danken ihnen dafür. Dass eine Gesetzesänderung nötig wird, darüber sind wir uns alle einig. Es geht nicht, dass Menschen einfach so in die Wohnung eines anderen auf der Grundlage des Wohnrechts einziehen und dabei das gleiche Wohnrecht des anderen stehlen."

Weiter heißt es: "Das schrieb 2013 übrigens auch schon Bürgermeister Termont in einem Meinungsbeitrag. Leider ist in den vier Jahren nichts passiert, um diese so genannte Lücke im Gesetz zu schließen. Ein zwei Monate lang leer stehendes Haus kann zudem kaum als legitimer Grund vorgebracht werden, um selbiges zu besetzen."

Gleichzeitig distanziert sich die Frau in ihrem neuen Facebook-Bericht von jeglichen Hassbotschaften, Rassismus und Diskriminierung, die nach ihrem "Hilferuf im Netz" als Reaktionen darauf gepostet wurden. Sie nennt gar einige Beispiele von Reaktionen, bei denen zu gewaltsamem Handeln gegen die Roma-Familie aufgerufen wird. Man solle das Recht selbst in die Hand nehmen, heißt es dort zu Beispiel.

Keine dieser Posts sei eine Lösung, schreibt S.B. aus Gent. "Wir bitten die Polizei von Gent deshalb, der Roma-Familie, die sich derzeit in unserem Haus aufhält, falls nötig, Polizeischutz anzubieten." Die Frau führt an, dass hunderte Aufrufe zu Hass und Aktionen gegen die Roma über Facebook eingegangen seien.

Solche Reaktionen führten unweigerlich zu einem weiteren Rechtsruck, zur Polarisierung, zu Populismus und Hass, heißt es noch. Das bedauere das Pärchen, dessen Haus, derzeit besetzt ist, sehr.  "Wir wollen unter keinen Umständen dazu beitragen, auch nicht über unseren Aufruf. Leider scheint das nun doch der Fall zu sein und das ist etwas, über das man sich zu Recht Sorgen machen sollte. Oder etwa nicht?"

Inzwischen hat der liberale Parlamentarier Egbert Lachaert reagiert und betont, dass ein entsprechender Gesetzesentwurf zum besseren Schutz gegen Hausbesetzer vorliege, über den man sich im Parlament einig sei. Belgiens Justizminister Koen Geens hat daraufhin wissen lassen, dass er die Durchführbarkeit des Vorschlages untersuchen werde.

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