Türken in Belgien reagieren auf Eskalation zwischen Niederlande und Türkei

Der Streit zwischen den Niederlanden und der Türkei um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in den Niederlanden ist eskaliert. In Belgien ist bislang noch keine offizielle Anfrage aus der Türkei zur Veranstaltung eines politischen Treffens eingegangen. Das bestätigt auch das Kabinett des belgischen Innenministers Jan Jambon. Doch einige Mitglieder der belgisch-türkischen Gemeinschaft reagieren auf die harte Sprache, die von den Niederlanden und der Türkei gesprochen wird sowie auf die Tatsache, dass die türkische Familienministerin von den niederländischen Behörden zur "unerwünschten Person" erklärt wurde und Sicherheitskräfte ihr Fahrzeug zur deutschen Grenze eskortierten, geschockt.

"Das ist ein Minister, der darf doch sowieso ins Ausland reisen", meint ein türkischstämmiger Bäcker in Genk. Die Niederlande habe einen großen Fehler gemacht. "Das verdienen wir nicht. Die haben kein Recht, einen Minister im Ausland zu stoppen. Die hat doch niemandem etwas getan. Sie kommt zum türkischen Konsulat und dort darf sie hinein, denn das gehört uns. Wir haben das Recht, dort hineinzugehen."

Die Ministerin war am Samstagabend per Auto von Düsseldorf aus in die niederländische Hafenstadt gefahren, nachdem dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Landeerlaubnis für einen Wahlkampfauftritt verweigert worden war.

Der diplomatische Streit ist eskaliert. Und die Länder werden gegeneinander aufgehetzt, befürchtet die türkische Gemeinschaft in Belgien jedoch auch. Es sei nicht gut, dem einen Recht zu geben und dem anderen nicht, betont Aldemir, ein anderer Genker türkischer Herkunft.

Die Niederländer türkischer Abstammung hätten ein Recht auf Information, finden sie, denn sie wählten ja auch bei dem Referendum. Offiziell sind in Belgien aber noch keine politischen Kundgebungen geplant. Will Soylu, ebenfalls Niederländer mit türkischen Wurzeln, wählen gehen, ist er auf die Informationen   türkischer Fernsehprogramme angewiesen, sagt er. "Die kommen doch nur hierher, um zu informieren, nicht um Anschläge zu verüben."

"Dagegen sagen wir: Schaut mal, das ist unser Land. Wir funktionieren so und wir versuchen die Lebensumstände in der Türkei noch zu verbessern", antwortet Aldemir.

Doch Soylu ist überzeugt: "Wenn sie persönlich kommen und uns Dinge erklären, ist das immer etwas anderes als das, was man im Fernsehen sieht."

Die Äußerungen des türkischen Präsidenten Erdogan, in denen er die Niederländer als "faschistisch" und als "Nazi-Überbleibsel" beschimpfte, seien jedoch sehr hart gewesen und man nehme diese gar nicht ernst, heißt es auch noch.