22/3 - Belgien ein Jahr nach dem Terror

Genau ein Jahr ist seit den Anschlägen auf den Flughafen von Zaventem und die Metrostation Maalbeek im Zentrum von Brüssel vergangen. Damals kamen 32 Menschen ums Leben und mehr als 350 wurden zum Teil schwer verletzt. Heute sitzen acht Verdächtige in Untersuchungshaft.

Am Morgen des 22. März 2016 wurde Belgien in einer anderen Zeit wach. Am frühen Morgen sprengten sich radikal-islamische Attentäter in der Abflughalle des Brüsseler Nationalflughafens in Zaventem in die Luft. Um 7 Uhr 58 explodierte die erste Bombe und 11 Sekunden später der zweite Sprengsatz.

Nur kurze Zeit später, um 9 Uhr 11, sorgte ein weiterer Selbstmordattentäter in der Metrostation Maalbeek im Regierungsviertel unweit des Stadtzentrums für Tod und Verderben.

Insgesamt verloren dabei 32 Menschen ihr Leben - 16 am Flughafen und 16 in Maalbeek - und über 300 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Einer der Verletzten konnte erst im Februar das Krankenhaus verlassen und viele der Betroffenen, auch solche, die nicht körperlich verletzt wurden, leiden unter einem noch nicht verarbeiteten Trauma. Allerdings befinden sich noch mehrere der Opfer in einem Reha-Zentrum, um zu lernen, wie sie mit ihren durch die Attentate verursachten Behinderungen praktisch weiterleben können.

Hinzu kommt noch, dass bis heute Probleme mit der Rückerstattung von Genesungskosten durch die Krankenkassen, mit Entschädigungen von Seiten der Versicherungen und mit der Anerkennung von Problemen und Folgeproblemen durch die Behörden ungelöst sind. Davon sind vor allem Opfer betroffen, die aus dem Ausland stammen und nicht unter den belgischen Versicherungsschutz fallen.

Inzwischen laufen die Ermittlungen gegen die islamistischen Terroristen und deren Helfershelfern auf Hochtouren. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Das sind u.a. Mohamed Abrini, der „Mann mit Hut“, dem eine Mittäterschaft beim Anschlag in Zaventem vorgeworfen wird und Osama Krayem, der am Attentat auf die U-Bahnstation Maalbeek beteiligt gewesen sein soll. Daneben warten sechs weitere Verdächtige auf ihren Prozess. Ihnen wird vorgeworfen, die Attentate logistisch begleitet zu haben, z.B. durch das Anmieten von Wohnungen - sogenannte „safe houses“ - oder Fahr- und Transportdienste und anderes.

Das Drama nimmt seinen Lauf

Den Anfang nahm das Drama bereits einige Tage zuvor, am 15. und am 18. März 2016. Zunächst, am 15. März, gab es eine Schießerei zwischen Polizisten und mutmaßlichen Verantwortlichen der Anschläge von Paris im November 2015 im Stadtteil Brüssel-Vorst und drei Tage später konnte die Polizei den flüchtigen Paris-Attentäter Salah Abdeslam stoppen. Nach einer Suchaktion von vier Monaten wurde der Terrorist im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst. Dieser konnte drei Tage zuvor in Vorst noch entkommen.

Panik bei den Terroristen?

Nach der Festnahme Abdeslams geriet die Terrorzelle von Paris und Brüssel in Panik und verübte die Anschläge in Zaventem und Maelbeek. Offenbar waren ursprünglich eher weitere Attentate in Paris geplant, doch kurzfristig wurde Brüssel ausgewählt, wo das Kommando bereits auf grünes Licht wartete.

Am 22. März in den Morgenstunden schlugen Ibrahim El Bakraoui, sein jüngerer Bruder Khalid El Bakraoui, Najim Laachraoui, Mohamed Abrini und Osdama Krayem zu. Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui kamen bei ihren Selbstmordanschlägen in Zaventem ums Leben und Khalid El Bakraoui in der Brüsseler U-Bahnstation Maalbeek.

Abrini hingegen verließ den Flughafen zu Fuß in Richtung Brüssel und Krayem machte sich in Maalbeek aus dem Staub. Vermutlich sollte der aus Schweden stammende Islamist in der U-Bahn-Station Schuman zuschlagen, doch er spülte seinen Sprengstoff in eine Toilette und verschwand. Beide konnten verhaftet werden. Die gehören zu den acht Hauptverdächtigen, gegen die in Belgien und Frankreich ermittelt wird.

Wirtschaft, Kultur und Hotel- und Gaststättengewerbe

Belgien mag nach den Anschlägen vom 22. März mittlerweile wieder für Geschäftsleute und Investoren attraktiv geworden sein. Angesichts der raschen Fahndungserfolge durch die belgischen Polizei-, Sicherheits- und Nachrichtendienste und durch die allgemeinen getroffenen Sicherheitsmaßnahmen durch die Bundesregierung reagiert die Wirtschaft im Ausland wieder positiv auf Belgien.

Doch noch immer leidet das Hotel- und Gaststättengewerbe in der belgischen Hauptstadt und teilweise auch andernorts unter den Folgen der Anschläge. Und auch der Tourismus und das Museums- und Kulturgewerbe kämpfen mit Besucherrückgängen. Inzwischen erholen sich die Statistiken wieder leicht und die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines, die ihren Stammsitz in Zaventem hat, meldete unlängst leichte Gewinne. Auch von der Flughafengesellschaft Brussels Airport kommen wieder gute Nachrichten. Hier haben die Versicherungen bereits gezahlt, im Gegensatz zu den Opfern…