Premier Michel zum Brexit: Wahl respektieren

Belgiens Premierminister Charles Michel (MR - Foto) sagte in einer ersten Reaktion auf den offiziellen Brexit-Brief, den die britische Premierministerin Theresa May am Mittwoch EU-Präsident Donand Tusk zukommen ließ, dass dies ein schwieriger Augenblick für Europa sei, doch man wolle die Wahl der britischen Wähler respektieren.

Premier Michel hofft vor allem, dass auch nach dem Brexit die Möglichkeit bestehen bleibt, mit Großbritannien gute Beziehungen zu unterhalten. Doch genau wie EU-Präsident Tusk ist auch er der Ansicht, dass dies ein trauriger Tag für Europa sei: „Ich halte nicht viel von diesem Entschluss, doch ich habe Respekt vor der Wahl der britischen Wähler. Ich sage heute, dass wir alles tun müssen, um ein globales Abkommen mit den Briten zu erreichen.“

Michel stellt fest, dass der Ton, den seine britische Amtskollegin May in ihren Schreiben anschlägt, positiv ist. Dies sei in der Logik der Zusammenarbeit schon einmal eine gute Sache. Und doch werden die Brexit-Verhandlungen seiner Ansicht nach kein leichtes Unterfangen sein: „Die Herangehensweise in Belgien wird sehr kühl und rationell sein. Wir hoffen, dass es möglich ist, nach dem Brexit gute und starke Relationen mit Großbritannien zu unterhalten, nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene, sondern auch auf Ebene der Sicherheit und im Kampf gegen den Terror.“

"Scheidung und neue Beziehung voneinander trennen"

Der belgische Premierminister ist der Ansicht, dass man gleich zu Anfang der Gespräche zwei Dinge voneinander trennen müsse: Zuerst sollte man über die Modalitäten der Trennung reden und danach erst über die Zukunft zwischen Europa und den Briten. Auch hier deckt sich die Ansicht Michels mit der von Donald Tusk: „Zuerst müssen wir über die Scheidung sprechen und dann erst über ein neues Verhältnis.“

Eine Priorität sieht der liberale belgische Premierminister bei den Bürgern und bei den Unternehmen: „Nicht nur kurzfristig, sondern auch mittelfristig und auf lange Sicht hin. Wir müssen die europäischen Werte verteidigen. Das ist für die Zukunft eines effizienten Europas wichtig. Wir müssen aber auch, gerade als Belgier, enge Beziehungen mit den Briten pflegen.“

Darum habe er eine Arbeitsgruppe eingesetzt, so Michel, die dafür sorgen soll, dass Belgien bei den Brexit-Verhandlungen eine wichtige und aktive Rolle einnehmen kann, „zumal Belgien heute schon ein wichtiger wirtschaftlicher Partner Großbritanniens ist. Jedes Jahr liegt das Exportniveau zwischen Belgien und Großbritannien bei 30 Mio. €.“