Türkische Imame spionieren auch in Belgien für Erdogan

Die Türkei stützt sich auf "religiöse Berater", um Erdogans Gegner in 38 Ländern, darunter auch in Belgien, zu überwachen. Das schreibt die Zeitung Le Soir an diesem Samstag. Le Soir habe sich die Berichte dieser speziellen Spione beschafft, heißt es bei der Zeitung.

Wie Le Soir in ihrem Artikel schreibt, bediene sich die türkische Regierung ihrer Imame und religiösen Berater, um Anhänger der von der Türkei als Terrororganisation eingestuften Gülen-Bewegung, die auch mit dem Putschversuch in Verbindung gebracht wird, zu überwachen.

Mit dieser heimlichen Überwachung sei letztes Jahr im September begonnen worden. Die Zeitung stützt sich auf einen Bericht der türkischen Botschaft in Brüssel und Erdogans Religionsberater.

Die Sammlung der Informationen sei in der türkischen Gemeinschaft Belgiens zu einem Zeitpunkt großer Spannungen erfolgt. Ziel der Erdogan Anhänger seien mehrere Vereine, Institutionen, darunter auch Schulen sowie einzelne Personen gewesen.

Laut Bericht soll die Katholische Universität Löwen zum Beispiel einen Lehrstuhl für interkulturelle Studien eingerichtet haben, der der Gülen-Bewegung nahestehe. Die KUL soll auch auf der schwarzen Liste von Erdogan stehen. Ihre Diplome werden in der Türkei nicht mehr anerkannt, heißt es in dem Artikel.

Der Bericht in Belgien soll der umfangreichste von allen Berichten sein. Sein Autor, Dr. Adil Sahin, Berater in religiösen Angelegenheiten, ist Vizepräsident von Dyanet in Belgien, doch sein Büro befindet sich in der türkischen Botschaft in Brüssel.

Theoretisch könnte Sahin aus Belgien ausgewiesen werden. Zwar ist das Sammeln von Informationen und öffentlichen Quellen noch kein Delikt hierzulande, wohl aber könnte die Überwachung der eigenen Migrantengemeinschaft durch eine Botschaft als "Beeinträchtigung der Souveränität" Belgiens betrachtet werden. Sahin könnte zur "persona non grata" erklärt oder eine Akkreditierung nicht verlängert werden. 

Doch würde sich Brüssel tatsächlich derart mit Ankara überwerfen?, fragt sich die Zeitung am Ende auch noch.

Rik Torfs, der Direktor der KU Löwen hat inzwischen auf den Bericht in Le Soir reagiert und beteuert, dass ihm von der türkischen Botschaft in Belgien garantiert worden sei, dass die Diplome, die von der Löwener Universität kommen, in der Türkei anerkannt würden.