Keine Lust auf Stau? Dann fahr doch mit dem Schiff!

Die Verkehrsprobleme auf dem belgischen Straßen- und Autobahnnetz sind hinlänglich bekannt. Immer mehr Verkehrsteilnehmer haben die Nase voll davon und das betrifft nicht nur Berufspendler, sondern auch Wirtschaft und Transport. Doch einige der Betroffenen reagieren mit teilweise ungewöhnlichen Projekten, von denen zwei hier vorgestellt werden.

Regionaler Transport per Binnenschiff

Ein Baustoffhändler aus der Gegend von Löwen in Flämisch-Brabant ärgerte sich vehement darüber, dass die Lastwagen, die ihn beliefern, ständig im Stau stehen und dass man niemals weiß, wann sie denn ankommen. Kurzerhand stellte er seine Transporte um und schloss einen Vertrag mit einem Binnenschiffer. Dieser holt die Baustoffe mit dem Schiff an, kommt pünktlich zur verabredeten Zeit und die Kunden wissen, wann sie zur Stelle sein müssen.

Das Projekt, das anfangs auf Unverständnis stieß, hat Erfolg, die die flämische Wirtschaftszeitschrift Pulse in ihrer jüngsten Ausgabe schreibt. Der Baustoffhandel Celis in Wilsele am Löwener Dijle-Kanal hat sein Betätigungsfeld ausgeweitet und ist mittlerweile auch in der Abfallverwertung und im Handel mit Natursteinen aktiv. Diese Bereiche erfordern allesamt intensive Transportaufkommen.

Celis lässt einen Großteil seiner Baustoffe bei einem an der Maas liegenden Großhandel in Lüttich per Binnenschiff abholen. Dazu hat er einen festen Vertrag mit einem Binnenschiffer abgeschlossen. Das Schiff braucht zwar zwei Tage, bis es aus Lüttich kommend am Standort bei Löwen ankommt, denn es muss über Flüsse und Kanäle einen Umweg über Antwerpen nehmen, doch es kommt immer pünktlich. Und die Logistiker bei Celis wissen, wann sie ihre Kunden mit ihren Fahrzeugen ankommen lassen. Dies geschieht genau nach Plan außerhalb der Stoßzeiten.

Der Clou dabei ist, dass das Binnenschiff, das exklusiv für Celis fährt, niemals leer unterwegs ist. Zur Rentabilität des Transports trägt nämlich ein weiterer Vertrag bei, den Celis mit der Brauereigruppe AB InBev in Löwen abschließen konnte. Das Schiff nimmt auf dem Rückweg nach Lüttich leere Bierkästen mit, die zum AB InBev-Standort in Jupille gebracht werden. Auch hier können dadurch zahlreiche staugefährdete LKW-Fahrten vermieden werden…

Der "Wasserbus" von Vilvoorde

Bereits seit einigen Jahren fährt der so genannte „Wasserbus“ zweimal pro Woche zwischen Vilvoorde in Flämisch-Brabant und den Sainclette-Platz in Brüssel unweit des Verwaltungszentrums der Hauptstadt an Rogier-Platz und Nordbahnhof hin und her. Noch ist dieses Verkehrsangebot, zu dem vorläufig ein Touristenboot genutzt wird, kein echter öffentlicher Nahverkehr, doch was nicht ist, kann ja noch werden.

Geplant ist, diese Möglichkeit täglich anzubieten. Bisher fährt der Wasserbus zwischen dem 1. Mai und Ende August. Eine Fahrt kostet 2 € und reservieren wird empfohlen. Der „Wasserbus“ hält unterwegs an 5 Haltestellen und bietet Fahrradmitnahme sowie Wifi. Damit kann während der rund 80 Minuten langen Fahrt gearbeitet werden… Das Boot fährt im Zentrum von an Steenkaai ab und hält unterwegs am Park Drie Fonteinen, am Heembeekkaai, an der Van Praetbrug am Brüsseler Binnenhafen im Ortsteil Schaarbeek, am Akenkaai und Endstation ist am Sainctelette-Platz unweit der ikonischen Citroën-Garage.

Das Projekt ist eine Initiative von Brussels by Water und Kanaaltochten Brabant und wird von der flämischen Landes- und der Brüsseler Regionalregierung unterstützt. Die Pläne für Wasserbusse oder Wassertaxis im Umland von Brüssel in der Provinz Flämisch-Brabant gehen weit. So ist eine Verbindung zwischen der Schleuse in Kapelle-op-den-Bos via Willebroeck und Vilvoorde nach Brüssel angedacht…