Innertürkischer Konflikt in Belgien angekommen?

Immer mehr türkische Staatsbürger stellen in Belgien einen Asylantrag und die Zahl der Übergriffe von Türken auf Türken steigt in unserem Land. Das bedeutet, dass der innertürkische Konflikt nach dem Putschversuch und vor dem Referendum zur Verfassungsreform in Ankara auch nach Belgien importiert wird.

Nach Angaben mehrerer Tageszeitungen in Belgien ist die Zahl der türkischen Asylanträge hierzulande in den vergangenen 8 Monaten deutlich angestiegen. Die Zahl der Anträge gab das belgische Ausländeramt mit 678 Fällen angegeben, was einem Anstieg um 123 % entspricht. Hinzu kommt, dass den hiesigen Behörden bisher 80 Fälle von Hassdelikten zwischen Türken in Belgien gemeldet wurden.

Bei den Antragstellern auf Asyl in Belgien handelt es sich hauptsächlich um Journalisten, Beamte oder Geschäftsleute aber auch um Vertreter von Justiz und Armee. Offenbar fühlen sich diese Antragsteller aus der Türkei, bzw. aus hier lebenden und arbeitenden türkischen Kreisen auch in Belgien bedroht.

Und in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Studenten aus der Türkei, die bei der Universität von Löwen (KU Leuven) studiert haben, ihre Diplome in ihrem Heimatland nicht gelten lassen können. Offenbar ist den türkischen Behörden die Katholische Uni von Löwen zu „Gülen-nah“.

Belgiens Premierminister Charles Michel (MR) hatte unlängst gesagt, er würde nicht dulden, dass der innertürkische Konflikt auch nach Belgien exportiert wird. Doch nicht zuletzt nach Spionagevorwürfen gegen türkische und Erdogan-nahe Imame in Belgien gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger oder andere Oppositionelle und nach Schlägereien vor der türkischen Botschaft in Brüssel wurde deutlich, dass dies kühne Träume waren. Auch hier in Belgien wird die Spaltung der türkischen Gesellschaft leider immer deutlicher.