Trotz Brexit: Flanderns Export boomt weiter

Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat dem Export des belgischen Bundeslandes Flanderns nicht geschadet. Im vergangenen Jahr konnte die Ausfuhr aus Flandern gegenüber 2015 um 1,47 % weiter angehoben werden. Und die Exporte in Richtung britische Inseln nahmen ebenfalls weiter zu. Deutschland bleibt aber das wichtigste Exportland für Flandern.
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Das belgische Bundesland Flandern exportierte im vergangenen Jahr Waren und Güter im Gesamtwert von 302,4 Mia. €. Das entspricht einem Anstieg um 1,47 % gegenüber dem Vorjahr, wie die Exportagentur Flanders Investment & Trade (FIT) in einer Analyse auf Basis der Import- und Exportzahlen der Belgischen Nationalbank (BNB) feststellen konnte.

Einen leichten Rückgang muss allerdings der Import in Richtung Flandern hinnehmen, denn die Einfuhrzahlen sanken 2016 um 0,43 % auf 284,9 Mia. €. Damit führt das belgische Bundesland mehr aus als ein. Die Differenz liegt bei einem Volumen 17,5 Mia. €.

Deutschland blieb auch 2016 das wichtigste Ausfuhrziel für Produkte aus Flandern. Flämische Unternehmen exportierten letztes Jahr Waren und Güter im Wert von mehr als 50 Mia. € nach Deutschland, was einem leichten Anstieg um 1,01 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Frankreich ist das zweitwichtigste Exportland für Flandern. Hier fiel aber der Anstieg der Exporte mit einem Plus von 3,92 % deutlich höher aus. Die Ausfuhr in Richtung Niederlande sank um 0,69 %, doch unser nördliches Nachbarland bleibt Ausfuhrziel N°3.

Flandern ist flexibel

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA) sagte in einer Reaktion auf diese Zahlen am Montagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass Flandern glücklicherweise nicht von bestimmten Märkten abhängig sei: „Wir haben unsere Pharmaindustrie, unseren Maschinenbau, unsere Agro- und Lebensmittelbranche und wir haben unsere Textilindustrie. Also sind wir in den Produkten, die wir ausführen, diversifiziert. Und glücklicherweise haben wir auch einen sehr breiten Absatzmarkt. Damit sind wir nicht von einigen großen Märkten abhängig und ich glaube, dass dies, gemeinsam mit der Flexibilität unserer Unternehmen, auch unsere Stärke ist.“

Keine Angst vor dem Brexit?

Doch alles in allem bleiben aus wirtschaftlicher Sicht alle Augen derzeit auch in Flandern auf Großbritannien gerichtet. Die Briten sind Flanderns viertgrößer Ausfuhrpartner. Seit dem Referendum zum Austritt der Briten aus der EU ging auch hier die Angst um, einen wichtigen Handelspartner zu verlieren. Trotzdem boomte der Export in Richtung britische Inseln im vergangenen Jahr.

2016 führten flämische Unternehmen Produkte im Wert von 27,66 Mia. € nach Großbritannien aus. Das entspricht einem überdurchschnittlichen Anstieg um 1,68 %. Und dies, obschon die sinkenden Kurswerte für das britische Pfund den Export dorthin verteuerten.

Hauptgrund für diesen Anstieg sind steigende Exporte der Automobilindustrie und von in Flandern produzierten oder montierten Autos. Hier wurden 13,7 % mehr Autos für den britischen Markt geliefert. In den anderen wirtschaftlichen Bereichen gingen die Exporte nach Großbritannien hingegen zurück. Damit ist die Brexit-Angst der flämischen Wirtschaft weiterhin akut.

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