Zivile Opfer? Belgische F-16er über Mossul

Am Bombenangriff auf ein Wohnviertel in der irakischen Stadt Mossul waren höchstwahrscheinlich auch belgische F-16-Kampfflugzeuge beteiligt. Dies vernahm die VRT-Nachrichtenredaktion aus Kreisen im belgischen Verteidigungsministerium. Berichte des VRT-Reporters Jens Franssen, der am fraglichen 17. März 2017 in Mossul war, konnten dies aber nicht genau bestätigen.

Am 17. März 2017 unterstützten Kampfflugzeuge der internationalen Koalition gegen die IS-Rebellen im Irak auf Anfrage irakischer Bodentruppen Gefechte in einem Wohnviertel der Stadt aus der Luft. Dabei wurden Bomben angeworfen und es kam zu zivilen Opfern. Von 100 bis 200 Toten, darunter mehrheitlich Zivilisten, ist die Rede. Jetzt steht die Frage im Raum, ob bei diesen Angriffen auch Zivilisten durch Bomben belgischer F-16er ihr Leben, verloren haben.

Die Opposition im belgischen Bundesparlament fordert einen Untersuchungsausschuss oder zumindest Anhörungen im Verteidigungsausschuss. VRT-Korrespondent Jens Franssen war am fraglichen Tag in Mossul. Er gab an, dass während der Gefechte um die Medina in Mossul mit ihrem engen Geflecht von Gassen und kleinen Straßen schlechtes Wetter und damit schlechte Sicht für die Piloten geherrscht habe. Die Gefechte seien entstanden, nach dem irakische Bodentruppen bei der Befreiung der letzten Stadtviertel unter heftigen IS-Beschuss geraten waren.

An den Luftangriffen haben laut eines Journalisten der britischen Tageszeitung The Guardian Maschinen aus verschiedenen Ländern, die an der Anti-IS-Koalition teilhaben, teilgenommen. Darunter sind möglicherweise auch belgische Maschinen gewesen. Dies deutete inzwischen auch Belgiens Verteidigungsminister Steven Vandepout (N-VA - kl. Foto) an: „Wir nehmen dort jeden Tag an Operationen teil. Es ist also gut möglich, dass wir seinerzeit da waren.“ Inzwischen untersucht die internationale Koalition unter Leitung der USA den Vorgang und Belgien arbeite bei diesen Ermittlungen mit, so Vandeput dazu.

"Bei Zweifeln für die Zweifel!"

Belgien unternimmt stets alles Mögliche, um zivile Opfer bei Operationen zu vermeiden. Doch in diesem Falle musste das Leben von eigenen Truppen, irakische und amerikanische Soldaten, geschützt werden. Die Truppen vor Ort haben die Unterstützung aus der Luft angefordert. Damit kann es sein, dass das belgische Credo „Bei Zweifeln für die Zweifel!“, also kein Angriff oder Bombenabwurf, ausgesetzt wurde. Doch laut Verteidigungsministerium in Brüssel werde auch dann versucht, „checks and balances“ durchzuführen.

Verteidigungsministerium und Bundesregierung in Brüssel wollen die Ergebnisse der Untersuchungen zum 17. März in Mossul abwarten, um weitere Schlüsse zu ziehen. Verteidigungsminister Vandeput bittet die Opposition unterdessen darum, „die Vertraulichkeit“ zu respektieren. Informationen zu den Aufträgen der Armee solle man bitte nicht an die Öffentlichkeit bringen, zumal Untersuchungen und Ermittlungen, auch durch die Bundesstaatsanwaltschaft in Belgien, derzeit bereits laufen würden.