Belgiens Piloten rufen bei der EU um Hilfe

"Die Zukunft des belgischen und europäischen Luftfracht-Verkehrs ist bedroht!" Mit diesem Alarmschrei hat die Pilotenvereinigung BeCA (Belgian Cockpit Assotiation) Maßnahmen gefordert, mit denen die Jobs von europäischen Piloten gerettet und gesichert werden können. Als Negativbeispiel nannte BeCA Ethiopian Cargo, eine in Belgien aktive Cargo-Fluggesellschaft, der weitreichende Verkehrsrechte in Europa zuerkannt wurden.
Jens Meier/laif

Ethiopian Cargo, ein Tochterunternehmen der Fluggesellschaft Ethiopien Airlines, erhielt im Februar dieses Jahres permanente Flugrechte für Belgien. Der Cargo-Flieger darf pro Woche 28 Frachtflüge durchführen.

Nach Ansicht der belgischen Pilotenvereinigung BeCA operiert diese afrikanische Gesellschaft dadurch wie eine in unserem Land niedergelassene Airline, weil mehr als die Hälfte ihres Transportvolumens über Belgien befördert wird.

Bei BeCA heißt es dazu weiter: „Und dies, während Ethiopian nicht den gleichen steuerlichen und sozialen Regeln unterworfen ist, wie belgische Fluggesellschaften.“ Zudem, so die verärgerte Pilotenvereinigung, sei von den 400 zugesagten Jobs von Ethiopian Cargo in Belgien nicht viel zu sehen. BeCA zählte nach eigenen Angaben „höchstens ein kleines Dutzend zusätzliche Arbeitsplätze.“ Würde ein belgisches Luftfahrtunternehmen ein gleichartiges Netz für Langstreckenflüge betreiben, so BeCA weiter, „würde man zweifellos sehr wohl auf hunderte neue Jobs kommen.“

Auch UPS und FedEX unter BeCa-Beschuss

Der belgische Pilotenverband greift auch die „illegalen Aktivitäten“ der amerikanischen Kurierdienst-Fluggesellschaften UPS und FedEX in Europa an. Nach Ansicht von BeCA respektieren diese US-Unternehmen die Abkommen zwischen den USA und der Europäischen Union nicht. Die EU-Kommission lasse hier eine „ultraliberale und umstrittene Interpretation“ dieser Abkommen zu, die zu Lasten von hiesigen Arbeitsplätzen für noch mehr amerikanischen Frachtmaschinen in Europa sorge.

Problem "wet leasing"

BeCA kann und will denn auch nicht die Pläne der EU in Sachen „wet leasing“ billigen. Dieses Vorhaben soll die maximale Zeitspanne aufheben, in der ein nicht-europäisches Flugzeug mitsamt Besatzung im Auftrag einer europäischen Fluggesellschaft fliegen darf.

Der belgische Pilotenverband befürchtet, dass dies „zweifellos zum Outsourcing der gesamten europäischen Luftfahrtindustrie führen wird.“

BeCA und ihr europäischer Dachverband European Cockpit Assotiation fordern die belgischen und die europäischen Behörden dazu auf, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Luftfahrtbranche und die dazugehörigen Arbeitsplätze zu schützen.