Brauer wird Hauptaktionär des Kulturhauses Flagey

Michel Moortgat, der CEO der flämischen Brauereigruppe Duvel-Moortgat, hat sich die Aktienmehrheit am Brüsseler Kulturtempel Flagey (Foto) gesichert. Seit dem Wochenende besitzt er 68 % aller Aktien an dem Gebäude, das als Private Public Partnership-Projekt organisiert ist. Entgegen allen Befürchtungen wird Moortgat aber nichts an der kulturellen Richtung des ehemaligen nationalen Rundfunkgebäudes aus den 1930er Jahren ändern.

Michel Moortgat (Archivfoto) hatte eigentlich zum Ziel gehabt, das gesamte Flagey-Gebäude übernehmen zu können, doch die verschiedenen beteiligten regionalen und staatlichen Behörden (Flandern, Brüssel-Hauptstadt und der belgische Staat in Form der jeweiligen Partizipationsgesellschaft) sicherten sich ihrerseits ebenfalls einen größeren Aktienanteil, nämlich mindestens 17 % daran (eine Sperrminorität von 25 % war hier das Ziel).

Vor einiger Zeit hatten einige der privaten Anteilseigner am Flagey-Gebäude angekündigt, sich von ihren jeweiligen Aktienpaketen zu trennen. Sogleich versuchten Michel Moortgat und die Versicherungsgesellschaft Ageas diese Aktien zu übernehmen. Der Brauerei-CEO konnte sich die Aktien nach einem höheren Gebot sichern und hat somit jetzt 68 % Anteil an diesem historischen Gebäude, das der Architekt Joseph Diongre zwischen 1935 und 1938 in der Form eines Ozeanriesen im Brüsseler Stadtteil Elsene erbauen ließ.

Zunächst befürchten die Flagey-Gesellschaft und die Flagey e.v., die den Kulturbetrieb im ehemaligen nationalen belgischen Rundfunkgebäude organisiert, dass die Zukunft dieses architektonischen Juwels inhaltlich auf wackligen Beinen stehen würde.

Doch Michel Moortgat beruhigte die Gemüter schnell wieder, denn er ist daran interessiert, dass sich gerade hier nichts ändert, wie er gegenüber Brüsseler Medien erklärte. Den bis 2024 laufenden Geschäftsführungsvertrag zwischen Gesellschaft und Kultur-e.v. will er sogar auf Basis der bei der Unterzeichnung festgelegten Vereinbarungen verlängern.

Kultur und Wirtschaft

Moortgat ist als Mäzen und Sponsor von Kultur bekannt. So sponsert er das Kulturzentrum Wiels (eine frühere Brauerei in Brüssel) und die Biennale von Lyon in Frankreich. Die Miete will er eben so wenig erhöhen, wie den Gastronomieanteil des Gebäudes. Sein Unternehmen betreibt im Flagey das Café Belga und das Restaurant Variétés. Michel Moortgat will lediglich versuchen, die bereits länger leerstehenden Räumlichkeiten in dem Gebäude dauerhaft zu vermieten, damit sich seine Investition in Kultur und Architektur zumindest ein wenig wirtschaftlich lohnt.

Der Konzertsaal im Flagey hat einen besonders guten Klang