Belgien: Blinde Passagiere auf Schiffen werden oft schlecht behandelt

Blinde Passagiere, die auf Schiffen in Belgiens Häfen entdeckt werden, genießen kaum Rechte. Sie werden oftmals schlecht behandelt. Das steht im jüngsten Bericht von "Myria", dem zentralen Migrationszentrum in Belgien. In den vergangenen 3 Jahren wurden rund 60 blinde Passagiere zwischen der Fracht versteckt auf Schiffen entdeckt. Im Antwerpener Hafen wurden besonders viele Passagiere gefunden, die sich illegal auf Schiffen aufhielten.

Sobald ein blinder Passagier entdeckt wird, muss der Kapitän des Schiffes die Schifffahrtspolizei und das Ausländeramt verständigen. Selbst dürfen beide Instanzen nichts unternehmen, sagt Tom Kenis von "Myria", dem zentralen Migrationszentrum. Der blinde Passagier bleibt weiterhin in der Obhut des Kapitäns.

"Das Hauptproblem ist, dass die Person auf dem Schiff im Gegensatz zu einer Person, die sich als Flüchtling auf dem Flughafen oder an der Landesgrenze meldet, keinerlei Informationen zu seiner Situation erhält", erklärt Kenis in der VRT. Er würde zwar über seine Rückführung informiert, könne aber juristisch nichts dagegen unternehmen. Er habe auch kein Recht auf einen Anwalt. Hier weise das Gesetz in Belgien eine Lücke auf. 

"Myria" zufolge verstoße das gegen die Menschenrechte. Ferner weist "Myria" darauf hin, dass laut internationalem Recht und der UN-Konvention über das Seerecht die Hoheitsgewässer Teil der Hoheitsgebiete von Küstenstaaten sind.

Ein weiteres Problem ist, dass es nach belgischem Gesetz nicht verboten ist, den illegalen Passagier auf dem Schiff arbeiten zu lassen, ohne dass er dafür vergütet wird. Das verstoße eindeutig gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, sagt "Myria".

"Myria" fordert eine Angleichung der belgischen Rechtsvorschriften.