Wie gehen belgische Gefängnisse mit Werbern für den Dschihad um?

Einer der Orte, an denen sich Menschen radikalisieren, sind Haftanstalten. Die belgischen Gefängnisse sind sich des Problems bewusst und versuchen, dagegen vorzugehen.

"Die Situation im Gefängnis wird jeden Tag schlimmer. Hier laufen Werber für den Dschihad herum, die die Köpfe der jungen Leute manipulieren", erzählt ein Häftling, der anonym bleiben möchte, gegenüber der VRT am Telefon.

Verschiedenen Quellen zufolge sitzen derzeit rund 450 radikalisierte Häftlinge in belgischen Gefängnissen. Die Gefährlichsten sitzen in Einzelhaft in den Gefängnissen von Ittre (wallonien) und Hasselt (Flandern). 

Ein Experte für Radikalisierung in Haftanstalten, der nicht erkannt werden will, erklärt: "Wenn Du jemanden siehst, der plötzlich anfängt, einen Bart zu tragen, bedeutet das nicht unbedingt, dass er sich radikalisiert hat. Nur wenn der Prozess der Radikalisierung nicht mehr kontrollierbar ist, wird entschieden, ob eine Person von den anderen Häftlingen getrennt wird und zur Deradikalisierungs-Abteilung in ein Gefängnis wie Hasselt überstellt wird."

"Ziel ist, zu vermeiden, dass das Gedankengut an andere Häftlinge übertragen wird."

Die Signale müssen erkannt und richtig interpretiert werden. Das ist das Wichtigste im Kampf gegen die Werber für den Dschihad in belgischen Haftanstalten. So wird dem Gefängnispersonal im Gefängnis von Brügge beibgebracht, Radikalisierung zu erkennen. In einer Simulationszelle lernen sie, was zu tun ist.

"Wichtig ist, dass das Personal zunächst informiert wird, dass es das Ganze in einen Kontext einordnen kann", so ein Verantwortlicher des Gefängnisses von Brügge. Weiter betont er: "Je feindlicher Du einem Radikalisierungsprozess gegenübertrittst, desto feindseliger werden sie auch Dir gegenüber. Unser Verhalten ist dabei enorm wichtig."