Antwerpen: Zehntes Kind in der Babyklappe abgelegt

Wie erst jetzt bekannt wurde, legte eine verzweifelte Mutter bereits im vergangenen Winter ihr Neugeborenes in die Babyklappe der Vereinigung „Mütter für Mütter“ in Antwerpen (Foto). Dies ist bereits das 10 Baby, dass seit Bestehen dieser Möglichkeit dort abgelegt wurde.
Jonas Roosens

Das Kind, ein Mädchen, erhielt den vorläufigen Namen Anna. Es wurde seinerzeit kurz nach der Entbindung in die Antwerpener Babyklappe gelegt. Anna ist bei bester Gesundheit und wird seitdem bei einer Pflegefamilie betreut.

Die Meldung zu diesem insgesamt 10. Vorgang an der Babyklappe von Antwerpen wurde zunächst auf Drängen der Vereinigung „Mütter für Mütter“ und des zuständigen Stadtverordneten für soziale Angelegenheiten, Fons Duchateau (N-VA), zurückgehalten.

Traditionsgetreu ist auch in diesem Fall der Sozialschöffe der Vormund des Findelkindes. Leider, so eine Mitarbeiterin des Vereins, hat die Mutter oder haben die Eltern des Kindes keine Hinweise auf ihre Identität hinterlassen. Diese Möglichkeit bietet die Babyklappe.

Von den 10 Kindern, die seit Bestehen der Babyklappe in Antwerpen dort abgelegt wurden, ist nur ein einziges wieder bei seiner Mutter. Ein zweites Kind wurde von den Eltern einer Mutter aufgenommen. Alle anderen wurden inzwischen adoptiert.

Die Babyklappe der Vereinigung „Mütter für Mütter“ in Antwerpen in der Helmstraat existiert seit dem Jahr 2000. Sie ist die erste und bisher einzige Einrichtung ihrer Art in ganz Belgien. Offenbar wird die Vereinigung bald eine Babyklappe auch im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek einrichten.

Notwendiges Übel?

„Mütter für Mütter“ nennt die Babyklappe ein notwendiges aber wichtiges Übel und empfiehlt auch anderen Städten und Gemeinden die Einrichtung einer solchen Möglichkeit. In den vergangenen Jahren wurden drei andere Kinder in Flandern nach ihrer Geburt ausgesetzt:

Eines im Bahnhof Essen bei Antwerpen, ein anderes vor der Haustüre einer Wohnung in Merksem ebenfalls bei Antwerpen und ein drittes an einer Grünfläche am Rande von Sint-Truiden in der Provinz Limburg, wo es von einem Busfahrer entdeckt wurde, der gerade Pause machte. Dieser hatte übrigens die Patenschaft über „seinen“ Findling übernommen.