Bombardier-Siemens: Was würde dabei aus Brügge?

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die beiden Konzerne Siemens und Bombardier Gespräche über eine eventuelle Fusion ihrer Schienenfahrzeugsparten führen. Nach Meldungen der Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg Mitte April umfasst diese Fusion ein Finanzvolumen von bis zu 10 Mia. €. Siemens-Schienenfahrzeuge fahren auch in Belgien und Bombardier unterhält in Brügge ein Werk. Was wird aus diesem Standort?

Auch in Belgien gehören Fahrzeuge der Hersteller Bombardier und Siemens auf den Eisenbahn- und Tramschienen zum Alltag. Unser Foto oben zeigt eine Siemens-Lokomotive der Baureihe 18 neben einer Bombardier-TRAXX-Maschine der Baureihe 28 im Bahnhof Brüssel Süd/Midi. Daneben befördern Triebwagen vom Typ Desiro von Siemens seit einiger Zeit die Pendler im Nahverkehr und die Bombardier-Doppelstockwaggons sind wichtige Säulen des hiesigen Personenverkehrs. Nicht zuletzt sind die meisten modernen Straßenbahnen der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn und der ihrer Brüsseler Partnergesellschaft MIVB/STIB Produkte von Bombardier. So weit, so gut.

Für den Schienenfahrzeugmarkt könnte eine Fusion zwischen Siemens und Bombardier vor allem im Hinblick auf die drohende Konkurrenz aus China auf internationaler Ebene eine logische Entwicklung sein, denn die Asiaten nehmen den beiden Großkonzernen aus Kanada und Deutschland Marktanteile weg. Doch wie sehen dies die Kartellbehörden und die EU-Wettbewerbshüter?

Und wie reagieren die Gewerkschaften in den europäischen Werken der beiden Produzenten? Bombardier kündigte einige Wochen vor Bekanntwerden der Fusionsgespräche mit Siemens umfangreiche Reformpläne für die Standorte in Europa an, was unter anderem in den Werken in Hennigsdorf in Berlin und in Brügge für Arbeitsniederlegungen und Betriebsversammlungen sorgte.

Bombardier ist der einzige übriggebliebene Schienenfahrzeughersteller in den Benelux-Ländern und er ist mit rund 500 Mitarbeitern ein recht kleiner Standort. Hat ein solches Werk im großen Ganzen überhaupt eine Überlebenschance? Das wird die Zukunft erweisen. Ein Deal zwischen Bombardier und Siemens könnte laut Bloomberg bereits Mitte des Jahres vereinbart werden. Danach sind die Wettbewerbsbehörden am Zuge. Der Vorgang kann sich lange hinziehen. Die Bombardier-Kollegen in Brügge halten einmal mehr dem Atem an.

Umstrukturierungen bei Bombardier (vor den Siemens-Gesprächen)

Der kanadische Schienenfahrzeug-Hersteller Bombardier kündigte im Februar an, dass der Standort im flämischen Brügge zwar bestehen bleibe, dass jedoch die Schweiß- und Lackierungsarbeiten dort beendet werden. Damit sind rund die Hälfte der dort beschäftigten 500 Mitarbeitern von Arbeitslosigkeit bedroht. Bombardier Europa-CEO Philippe Crauste hatte den Gewerkschaften seines Unternehmens seiner Zeit seine Vorhaben für die nahe Zukunft vorgelegt.

Dabei kam heraus, dass der Standort Brügge in Zukunft von Crespin in Nordfrankreich aus geleitet werden soll und dass die Schweiß- und die Lackierabteilung dort geschlossen werden sollen. Ein Teil der Arbeiten, für die bisher Lackierer und Schweißer in Brügge zuständig waren, wird nach Tschechien ausgelagert. Am 3. März bestätigte CEO Crauste im Rahmen einer außergewöhnlichen Betriebsratsversammlung für Bombardier Europa diese Planungen offiziell. Doch damals war von Fusionsplänen mit Siemens noch keine Rede…

Bei Bombardier in Brügge werden Straßenbahnzüge für den öffentlichen Nahverkehr und Reisezugwaggons für die belgische Bahn gebaut. Unlängst verlor der Standort Brügge bei der Ausschreibung eines Großauftrags der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn einen Wettbewerb. De Lijn vergibt den Auftrag zum Bau neuer Trams wohl an den spanischen Schienenfahrzeughersteller CAF. Das würde bedeuten, dass der Standort nur noch zur Endmontage und zur Abnahme von Neufahrzeugen genutzt wird.

Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier versprach Anfang März, trotz umfangreicher Umstrukturierungen keines der europäischen Werke zu schließen, also auch nicht das Tram- und Waggonwerk in Brügge. Jetzt hoffen die Bombardier-Mitarbeiter, dass die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB dem Unternehmen den Bau der neuen Doppelstock-Reisezugwaggons vom Typ M7 ermöglicht. Davon hängen hier viele Jobs ab.