Brüssel-Zentral ist drei Tage lang ohne Zug

Am kommenden langen Wochenende wird die sogenannte Nord-Süd-Verbindung zwischen den Brüsseler Bahnhöfen Nord und Süd/Midi wegen Gleisarbeiten komplett gesperrt. Das stellt den Bahnverkehr in ganz Belgien auf eine harte Probe, denn viele Reisezüge durchlaufen dieses wichtige Nadelöhr in der belgischen Hauptstadt. Brüssel-Zentral (Foto) wird dabei zum ersten Mal seit 1985 noch einmal nicht bedient. Die Bahn bietet jedoch einige Alternativen in Kooperation mit der regionalen Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB.

Die Nord-Süd-Verbindung in Brüssel verläuft durch eine mehr als 6 km langen Tunnel quasi unter dem Stadtzentrum hindurch und bedient zwei Bahnhöfe: Brüssel-Kongress, wo nur wenige Bummelzüge anhalten und Brüssel-Zentral, wo außer der Thalys und der ICE jeder Zug stoppt.

An einem normalen Wochentag sind hier über 700 Züge unterwegs und in Spitzenzeiten müssen hier pro Stunde rund 40 Reisezüge abgefertigt werden. Rund ein Drittel aller Reisezüge auf dem gesamten Gleisnetz der NMBS/SNCB durchfahren diesen Bahntunnel.

Doch im Zuge der Modernisierung der Bahn muss Gleisnetz- und Infrastrukturbetreiber Infrabel das komplette Signal-, Sicherheits- und Kommunikationssystem in der Nord-Süd-Verbindung auf den neuesten, computergesteuerten Stand der Technik bringen und das geht nur, wenn keine Züge fahren. Das Ganze wird seit langem vorbereitet und dauert nicht besonders lange, doch mindestens einen Tag lang sollen leere Züge die neuen Signale im Tunnel testen. Darum dauert die Vollsperrung für den normalen Verkehr drei Tage lang.

Die Bahn teilt die Verbindung in zwei Teile

Reisezüge mit Laufwegen, wie Antwerpen-Charleroi, werden in zwei Teile getrennt. Die Züge aus Antwerpen enden in Brüssel-Nord und die aus Richtung Charleroi in Brüssel Süd/Midi. Die Distanz dazwischen können die Reisenden mit Bussen oder Bahnen der regionalen Verkehrsgesellschaft MIVB/STIB zurücklegen. Nach Vorlage einer gültigen Bahnfahrkarte verteilt diese Gesellschaft kostenlose Tickets für Brüssel.

Andere Verbindungen, wie z.B. Eupen-Ostende, werden nicht getrennt. Aus Richtung Eupen kommend halten diese Züge vor Brüssel-Nord in Schaarbeek, von wo aus die Reisenden mit Ziel Brüssel wie oben den regionalen Nahverkehr nutzen können. Die Züge fahren dann über Jette und Dendermonde um Brüssel herum bis zu ihrem Zielort an der belgischen Nordseeküste. In der Gegenrichtung bietet Dendermonde Anschluss an die belgische Hauptstadt.

Infos bieten die Webseiten der belgischen Bahn NMBS/SNCB oder der regionalen Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB.

© Reporters / Michel Gouverneur

Zur Geschichte

Belgien hat bereits seit 1835 eine Eisenbahn und mit der ersten Bahnlinie zwischen Mechelen und Schaarbeek reichten die Gleise schon bis ganz nahe an die Hauptstadt Brüssel ran. Im Laufe der Zeit erreichten viele Strecken Brüssel sternförmig und endeten bzw. begannen in sogenannten Kopfbahnhöfen. Doch die damaligen Stadtväter wollten fortschrittlich sein und verlangten ab 1856 von der Bahn einen Tunnel, der die Züge bis ins Herz der Innenstadt bringen sollte.

Mehrere Ausschüsse beugten sich zwischen 1895 und 1901 über eine Lösung und 1903 unterzeichneten die damalige Staatsbahn (Chemins de Fer de l‘Etat Belge) und die Stadt einen Vertrag über den Bau eines solchen Tunnels. 1911 begannen die ersten Arbeiten und 1915 sollte alles fertig sein, doch der Erste Weltkrieg brachte das Projekt zum Erliegen. Letztendlich sollte es bis 1956 dauern, bis die Nord-Süd-Verbindung eröffnet werden konnte, denn auch der Zweite Weltkrieg sorgte wieder für eine lange Pause.

Der Bau der Nord-Süd-Verbindung schlug eine Narbe durch das Brüsseler Zentrum, denn damals wurde nicht gebohrt, sondern die Baustelle wurde offengelegt. Dazu mussten 1.650 Häuser enteignet und abgerissen werden (darunter auch solche aus gotischer Zeit), kleine Arbeiterviertel verschwanden für immer und für 12.000 Brüsseler musste eine neue Bleibe gefunden werden.