Tochter von Molenbeeker Stadtbeirat unter Terrorverdacht

Die Tochter des ersten Molenbeeker Stadtbeirates, Ahmed El Khannouss (Foto) von den französischsprachigen Christdemokraten CDH, ist in Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Terrorzelle von Jumet angeklagt worden.

Bei der Angeklagten handelt es sich um Inès El Khannouss. Ihr religiöser Name ist Inès Bint Ahmed. Sie ist die Tochter des ersten Stadtbeirates und Stadtbeirates für Sport der Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Der Vater ließ am Sonntag in einer Pressemitteilung wissen, er sei "geschockt über die Anhäufung der Fehler, die in diesen Ermittlungen gemacht worden seien". Die Pressemitteilung gab er heraus, nachdem der französischsprachige Sender RTL die Nachricht veröffentlicht hatte.

Inès soll im Zuge der Ermittlungen gegen die Terrorzelle von Jumet, von der zahlreiche Mitglieder nach Syrien aufgebrochen waren, aufgefallen sein, weil sie sich in einen der Angeklagten verliebt hatte. Letzterer soll "seine Taten und Ideologien vor ihr geheimgehalten haben". Die Eltern, heißt es in der Pressemitteilung weiter, hätten nichts von der Beziehung ihrer Tochter gewußt. Inès sei eine vorbildliche Studentin und das Opfer einer missbräuchlichen Beziehung geworden.

Nach Auffassung des Vaters habe die Tochter dem Gericht das auch zu Verstehen gegeben. "Sie hat nie radikale Ansichten vertreten. Sie lebt einen gemäßigten Islam und hat stets jede Form der Radikalisierung in der Gesellschaft kritisiert." Darauf würden auch alle Hinweise in den Ermittlungen deuten, so der Vater.

Es könne deshalb nicht von einer Verbindung zum Terrorismus gesprochen werden. Es handele sich, was Inès betreffe, um eine bedauernswerte Liebesaffäre. Die Eltern hoffen nun, dass die Justiz alles daran setzen werde, die Sache im Hinblick auf ihre Tochter, die sie als integer und aufrichtig kennen würden, aufzuklären.

Die Frau war bislang noch nicht straffällig geworden und sie sei auch erst im letzten Moment angeklagt worden, heißt es bei einer der Justiz nahe stehenden Quelle. Ihr Anwalt, Michel Bouchat, hatte vor der Ratskammer dafür plädiert, die Ermittlungen gegen seine Mandantin einzustellen. Dies wurde jedoch abgelehnt. Inès wird vorgeworfen, sich an der Aktivität einer terroristischen Gruppierung beteiligt und Informationen und Material geliefert oder die Terrororganisation finanziell unterstützt zu haben.

Was man ihr vorwirft ist ihre religiöse Ehe mit Youssef B., der ebenfalls in diesem Fall unter Anklage steht. Diese Ehe sei geschlossen worden, damit ihr Freund nach Syrien in den Dschihad habe ziehen können, heißt es. Für Youssef, der seine Freundin mehrere Monate kannte, bevor sie heirateten und der sich in sie verliebt hatte, sei die Hochzeit ein natürlicher Schritt gewesen, um ihre Liebe zu besiegeln, betont der Anwalt von Youssef B., Hamid El Abouti, im Sender RTL.

Die Justiz hat jedoch offenbar ausreichend Hinweise für eine Anklage gegen Inès. So soll die Frau weitere Kontakte zu radikalisierten Personen gehabt haben. Ihr Partner war schon einmal im Rahmen von Terrorismusvorwürfen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden und trug eine Fußfessel. Für die Justiz ist die religiöse Ehe jedenfalls ein Indiz.

Inès wird sich nun mit sechs weiteren Angeklagten vor einem Strafgericht verantworten müssen. Der Prozess gegen Inès dürfte in drei Wochen stattfinden.