Schlossmord: Geständnis bringt Wende im Prozess

Am ersten Prozesstag zum sogenannten „Schlossmord“ in Wingene bei Brügge brachte ein überraschendes Geständnis im Gerichtssaal eine Wende in dem gesamten Verfahren. André Gyselbrecht, der Hauptverdächtige im Mordfall an dessen Schwiegersohn Stijn Saelens, gestand, dass er den Auftrag zu dessen Ermordung gegeben hat. Gyselbrecht gab an, seine Enkelkinder geschützt haben zu wollen. Gegen Saelens standen Inzestvorwurfe im Raum.
Foto Kurt

Fünf Jahre haben die Ermittler im Mordfall Saelens, dem sogenannten Schlossmord, im Dunklen getappt. Ihnen war die ganze Zeit nicht gelungen herauszufinden, ob Gyselbrecht tatsächlich den Auftrag zum Mord an seinem Schwiegersohn gegeben hatte. Am Ende des langen ersten Prozesstages in Brügge (Foto oben) gestand er und begründete dies unter anderem mit den Worten: „Es war das ultimative Rettungsmittel, die letzte Chance, meine Enkelkinder nach Inzestvorfällen zu retten.“

Gyselbrechts Anwalt Johan Platteau war vom Geständnis seines Mandanten, der seit fast fünf Jahren in Untersuchungshaft sitzt, ebenfalls überrascht. Der Geständige legt allerdings einen Großteil der Verantwortung bei Pierre Serry, einem Freund der Familie, der die Auftragsmörder vermittelt hatte.

Das Mordopfer, Stijn Saelens, der Bewohner des Schlosses von Wingene, hatte vor, mit seiner Familie nach Australien auszuwandern. In der Familie seiner Frau herrschte bereits seit einiger Zeit die Vermutung, Saelens vergreife sich sexuell an seinen Kindern. Doch die Polizei legte Anzeigen offenbar zu den Akten und Gyselbrecht sah wohl nur einen Weg, seine geliebten Enkel vor ihrem eigenen Vater zu schützen: Die Beseitigung des Mannes.

Das Geständnis Gyselbrechts wird die Agenda des Prozesses gänzlich verändern. Alle Beteiligten werden aufgrund der neuen Erkenntnisse ein weiteres Mal verhört und der gesamte Vorgang sorgt einmal mehr für Schlagzeilen in der flämischen Presse. Stijn Saelens war am 31. Januar 2012 in seinem Schloss erschossen wurden und dessen Leiche wurde einige Tage später auf dem Grundstück des Mitverdächtigen Pierre Serry entdeckt. Seit dem bewegt dieser Fall die Menschen in Flandern.