Belgien wirbt in London für den Finanzplatz Brüssel

Belgiens Finanzminister Johan Van Overtveldt (N-VA) rührte am Mittwoch in London die Werbetrommel, um potentielle Interessenten aus dem Versicherungsbereich davon zu überzeugen, im Zuge des Brexit nach Belgien umzuziehen. Am Sitz von Lloyd’s in der britischen Hauptstadt machte Van Overtveldt Werbung für den Finanzplatz Brüssel (Foto).

Lloyd’s beherrscht den größten Versicherungsmarkt der Welt und kündigte unlängst an, spätestens 2019 einen Sitz in Brüssel zu eröffnen. Dies ist eine direkte Folge des Austritts der Briten aus der Europäischen Union. In einer ersten Phase, so der Lloyd’s-Vorsitzende John Nelson, sollen mehrere Dutzend neue Mitarbeiter für den Sitz in der belgischen Hauptstadt angeworben werden.

Diesen Umstand nutzte Belgiens Finanzminister Johan Van Overtveldt (kl. Foto) von den flämischen Nationaldemokraten N-VA, um am Mittwoch in Begleitung von hohen Vertretern der Belgischen Nationalbank (BNB) und von FSMA, dem Dachverband der Dienstleister in Sachen Märkte und Finanzen, weitere Interessenten aus dem Versicherungsbereich auf Brüssel neugierig zu machen. Zu Lloyd’s gehören rund 2.000 Mitglieder, die in 90 Syndikaten zusammengefasst sind, schreibt die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd dazu.

Bei der Suche nach potentiellen Interessenten wurde Van Overtveldt von Lloyd’s-Vorstand Nelson unterstützt. Dieser lobte unser Land in diesem Zusammenhang: „Wir haben entdeckt, wie offen, transparent und flexibel Belgien, seine Regierung und die Regulatoren dort sind.“

Konkretes Interesse besteht bei einigen Lloyd’s-Partnern, um ebenfalls nach Brüssel zu kommen, doch der belgische Finanzminister hütete sich laut De Tijd davor, schon jetzt Namen zu nennen. BNB-Vizegouverneur Pierre Wunsch gab dazu in London an, die Nationalbank werde alles daran setzen, einen Umzug in die belgische Hauptstadt so einfach, wie möglich, zu machen. Seine Behörde plane, Mitarbeiter einzustellen, die mit allen entsprechenden Bereichen in der EU, in Großbritannien und in Belgien vertraut seien.

Belgien hat mit seiner Körperschafts- und Unternehmenssteuer von derzeit 33,99 % einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil, doch Van Overtveldt kündigte an, dass seine Regiering an einer Herabsetzung dieses Tarifs arbeite. Dies soll bis zum kommenden Sommer der Fall sein. Bei seinem nächsten Besuch in London könne er mehr dazu sagen. Doch Brüssel ist mit seinem Werben um den eigenen Finanzplatz nicht alleine. Wichtigster Konkurrent ist hier wohl die deutsche Finanzmetropole Frankfurt, die ebenfalls um potentielle Umzugskandidaten aus London buhlt.

Belgien wirbt bei Lloyd's für den Finanzplatz Brüssel

2017 Getty Images