Bel-20 steigt über 4.000 Punkte - Ende der Krise?

In der vergangenen Woche ist der Bel-20, der Spitzenindex der Brüsseler Börse, zum ersten Mal wieder über die Grenze von 4.000 Punkte geklettert. Dies ist seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr vorgekommen. Ist die Krise für Belgien jetzt überstanden? Auch einige andere wirtschaftliche Elemente lassen darauf schließen, z.B. hier im belgischen Bundesland Flandern.

Es sah schon länger danach aus, dass der Bel-20-Index der stärksten Werte an der Brüsseler Börse Euronext über die 4.000 Punkte-Marke steigen würde und am Donnerstag war es so weit. Gründe kann dies viele haben, z.B. auf internationaler Ebene. Da kann die Wahl Trumps zum neuen US-Präsidenten ebenso mit zu tun haben, wie auch der Präsidentschaftswahlkampf im benachbarten Frankreich, wo der Liberale Kandidat Emmanuel Macron nach der letzten TV-Debatte die Nase vorn hat.

Während der internationalen Banken- und Finanzkrise im Jahr 2008 wurde auch Belgien schwer gebeutelt. Die beiden Banken Fortis und Dexia wankten und der Bel-20 lag bereits seit Dezember 2007 unter der 4.000er Marke. Die Krise zeigte damals schon ihr Gesicht… Im Februar 2009 stand der belgische Spitzenindex gar nur noch bei 1.700 Punkten. Langsam aber erholte sich die Welt von dieser Krise und auch der Bel-20 kletterte wieder nach oben: Langsam aber beständig.

Einen Rekord stellt das Erreichen der 4.000er-Marke aber nicht für den Bel-20-Index dar. Im Sommer 2007, also kurz vor Ausbruch der Krise, lag er bei 4.700 Punkten. Ob solche Werte wieder erreicht werden, muss sich noch erweisen, denn der Index sieht heute ganz anders aus, als damals. Die beiden oben genannten Banken Fortis und Dexia bestehen nicht mehr, werden also nicht mehr gehandelt und neue Werte haben Einzug gehalten. Vergleiche zwischen damals und heute sind nicht mehr möglich.

BELGA/LALMAND

Positive Anzeichen

Dass es neben dem Börsenhandel auch mit der belgischen Wirtschaft langsam aber stetig wieder nach oben geht, könnte ebenfalls auf ein Verdauen der Krise von damals hinweisen. Hier im belgischen Bundesland Flandern sinkt die Zahl der Arbeitslosen ohne Trendwende schon weit August 2015 und auch bei der Zeitarbeit sieht es gut aus.

Derzeit, so der Sektorverband der Zeitarbeitsvermittler in Belgien (Federgon), sind rund 650.000 Arbeitnehmer über diese Art der Arbeitsplatz in ganz Belgien beschäftigt. 2016 stellte hier ein Rekordjahr dar und auf Jahresbasis stieg die Zahl der Verträge um 9 %. In der Region Wallonien stieg diese Zahl noch stärker an. Zeitarbeit gilt gemeinhin als ein Gradmesser für die Wirtschaft.

Zeitarbeit belegt, dass die Arbeitgeber positiv nach vorne schauen. Doch bleibt dies ein Weg, auf feste Anstellungen kurz- oder mittelfristig noch zu verzichten. Doch diese Form der Vorsicht bietet Hoffnung für den Arbeitsmarkt auch in Belgien, denn Arbeitnehmer aus diesem Bereich sind flexibel, auf vielen Ebenen erfahren und sie sind auf dem besten Weg in den traditionellen Arbeitsmarkt leicht integriert werden zu können.