Brüsseler Region hält an ihrer Eigenständigkeit fest

An diesem Wochenende feiert sich die Region Brüssel-Hauptstadt selbst, denn es heißt einmal mehr „Iris Fest“. Schon zum 28. Mal findet dieses Brüsseler Regionalfest statt und dieses Jahr standen die Ansprachen der Politiker ganz im Zeichen der Konföderalismus-Diskussion, die die flämischen Nationaldemokraten der N-VA mit einem Essay von deren Vorsitzendem Bart De Wever vom Zaun gebrochen hatten.

Darin schlägt der N-VA-Vorsitzende und Bürgermeister von Antwerpen vor, Belgien solle in Zukunft nur aus zwei Regionen bestehen, aus Flandern und aus Wallonien. Damit wäre die Deutschsprachige Gemeinschaft im Osten des Landes ebenso überflüssig, wie auch die Region Brüssel-Hauptstadt. Doch Charles Picqué (PS - Foto oben), der Vorsitzende des Brüsseler Regionalparlaments, war in seiner Ansprache zum „Iris Fest“ ganz anderer Ansicht.

Für ihn ist eher wichtig, dass die Länder und Regionen in gemeinsamem Einverständnis und als gute Nachbarn zusammenleben müssen. Von Spaltung und Trennung will Piqué nichts wissen: „Die Brüsseler Region besteht und dies ist ein nicht zu wiederlegender Fakt. Sie lässt sich morgen nicht in einen Status von geteilter Souveränität verwandeln oder in eine Aufhäufung von Flamen und Wallonen, die durch Barrieren zwischen Französisch- und Niederländischsprachigen getrennt sind.“ Piqué stimmen seit seiner Rede am Samstag vor dem Brüsseler Regionalparlament so gut wie alle dort vertretenen Parteien der beiden Sprachengruppen zu.

Nur die N-VA hält weiter an ihren konföderalen Ideen fest. Johan Van den Driessche (kl. Foto), der Fraktionsvorsitzende der N-VA im Brüsseler Regionalparlament, fühlte sich falsch verstanden: „Die Art und Weise, in der er (Charles Picqué (A.d.R.)) dies vorstellt, halte ich für irreführend. Die Brüsselwahl (die Brüsseler sollen sich laut De Wever-Essay für die eine oder andere Sprachengruppe entscheiden (A.d.R.)) hat mit der Sprachenzugehörigkeit oder gleich etwas anderem nichts zu tun und das haben wir auch deutlich so gesagt. Vergleichen sie das mit dem niederländischsprachigen Unterricht, in dem 75 bis 80 % der Kinder eine andere Sprache sprechen. Die Brüsselwahl ist eine Entscheidung aus Flandern heraus in Richtung Brüssel für diejenigen, die sich unserem System anschließen wollen.“

Zu den Gästen beim Empfang zum „Iris Fest“ im Brüsseler Parlament gehörten auch Premierminister Charles Michel (MR), Brüssels Ministerpräsident Rudy Vervoort (PS) und Bürgermeister Yvan Mayeur (PS).

Andere Themen

Im Rahmen des „Iris Festes“ in Brüssel wurde im Regionalparlament der Hauptstadt-Region aber auch über andere Themen gesprochen, z.B. angesichts der Präsidentschaftswahlen in Frankreich, des Brexits, der Wahlen in den Niederlanden vor einigen Wochen und andern Ereignissen in den Nachbarländern Belgiens ging es um den erstarkenden Nationalismus.

Ein weiteres Thema waren auch die wirtschaftlichen und touristischen Folgen der Anschläge auf Paris und Brüssel in den vergangenen beiden Jahren. Hier freute man sich über die langsame aber stetige Rückkehr der Touristen in die Hauptstadt, die nach dem Lockdown nach Paris im November 2015 und nach den Terroranschlägen auf Zaventem und Brüssel im vergangenen Jahr massiv ausgeblieben waren.

Dazu sagte Brüssels Ministerpräsident Rudy Vervoort (PS - kl. Foto), dass sich seine Stadt und die Region hier selbst auf die Schulter klopfen dürfen: „Dies ist eine Folge einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die wir durchgeführt haben, zum Beispiel das Streichen von Abgaben und die Werbekampagnen für das Image Brüssels. Auch auf Ebene der Sicherheit und der sozialen Kohäsion haben wir hart gearbeitet. Die Region wächst durch diese Art von Zusammenleben und Zusammenarbeiten weiter.“

Das „Iris Fest“ ging am Sonntag in die nächste Runde und zwar mit Konzerten, Straßenfesten und einem Tag der offenen Tür in gleich mehreren Brüsseler Regionalbehörden.