Razzien: Sozialdumping bei Transportunternehmen?

An diesem Montagmorgen hat die Justiz rund 20 Razzien bei dem Transportunternehmen Jost durchgeführt. Vier Personen wurden zum Verhör mitgenommen. Die Hausdurchsuchungen fanden im Rahmen von Ermittlungen gegen Sozialbetrug und Sozialdumping statt. Das Unternehmen soll für viele Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen haben, indem es Fahrer über Briefkastenfirmen in osteuropäischen Ländern beschäftigte. Das Transportunternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Die Mehrzahl der Razzien wurde in der wallonischen Niederlassung der Transportgruppe Jost durchgeführt, unter anderem in Herstal bei Lüttich. Bei ihren Razzien trafen die Ermittler osteuropäische Lkw-Fahrer schlafend in ihren Fahrzeugen an. Das sage viel über die Arbeitsumstände der Trucker aus, so die Staatsanwaltschaft.

"Das vorläufige Ermittlungsergebnis zeigt, dass diese Leute vier bis sechs Wochen am Stück fahren und häufig in ihren Lkw verbleiben und dass sie es nicht immer so eng mit den Ruhezeiten nehmen", betont der Sprecher der Staatsanwalschaft, Eric Van der Sypt.

Wie die Staatsanwaltschaft annimmt, verstoße das Unternehmen gegen die Rechte der Fahrer, weil diese zwar in Belgien arbeiteten, aber nicht unter das belgische Sozialversicherungssystem fielen.

"Man richtet in der Tat Briefkastenfirmen und Firmen im Ausland, vor allem in Rumänien, ein. Man tut so, als würden die rumänischen Arbeitnehmer für das rumänische Unternehmen fahren, obwohl de facto alles von Belgien aus organisiert wird", führt Eric Van der Sypt aus. 

Letztes Jahr soll das Transportunternehmen 1.100 Arbeiter auf diese Weise beschäftigt haben. Dem belgischen Staat entgingen laut belgischer Staatsanwaltschaft mehrere Millionen Euro.

"Sozialdumping und vor allem das Sozialdumping von gut strukturierten, organisierten Fällen, hat bei uns Priorität", so der Sprecher noch. "Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hierbei um große Beträge handelt, die auf Kosten der Sozialversicherungen gehen."

"Im vorliegenden Fall handelt es sich schätzungsweise um 55 Millionen Euro, was doch ein großer Betrag ist."

Nicht nur in Wallonien, auch in Antwerpener Niederlassungen von Jost fanden Hausdurchsuchungen statt, ebenso in Rumänien und Luxemburg. Die Transportfirma unterstreicht in einer Mitteilung, dass sie zu Unrecht beschuldigt würde und bietet ihre Hilfe bei der Aufklärung an.