Sozialdumping: Eklatante Zustände bei Jost

Nach den Hausdurchsuchungen beim Transportunternehmen Jost am gestrigen Montag werden drei Menschen weiterhin festgehalten. Bei den Personen handelt es sich um den Geschäftsführer und zwei weitere Spitzenmanager. Ein vierter Verdächtiger wurde nach dem Verhör unter Auflagen wieder freigelassen. Die Festgenommenen werden der Anführerschaft einer krimininellen Organisation, des Menschenhandels und der Geldwäsche verdächtigt. Die sozialistische Transportgewerkschaft ist zufrieden mit dem Vorgehen gegen Sozialbetrug und Dumping.

Die Hausdurchsuchungen am gestrigen Montag in den Niederlassungen der Transportgruppe Jost, kamen nicht völlig unerwartet. Der Fachverband hatte die Sozialbetrugs- und Dumpingpraktiken, denen Jost jetzt verdächtigt wird, bereits zuvor gemeldet.

Es handele sich dabei um "eklatante Fälle, zum Beispiel Fahrer, die nicht bezahlt worden sind oder kritische Fahrer, denen der Laufpass gegeben wurde. Es sind dramatische Geschichten von Menschen, die ihre Familien niemals sehen, weil sie hier doch noch mehr Geld verdienen können als in ihrer Heimat. Dadurch werden auch die belgischen Fahrer benachteiligt", erklärt John Reynaert von der sozialistischen Transportgewerkschaft.

Die Justiz hat 4 Spitzenmanager unter Verdacht gestellt. Sie wirft ihnen Anführung einer kriminellen Organisation und Menschenhandel vor. Drei von ihnen, darunter auch der Geschäftsführer sind verhaftet worden.

"Endlich passiert etwas. Darüber sind wir froh", so Reynaert weiter. "In den vergangenen Monaten wurden auch schon Ermittlungen durchgeführt und wir hoffen auf weitere Untersuchungen. Es ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben den Kontrolldiensten höchstpersönlich Listen von einem Dutzend Unternehmen weitergereicht. Häufig finden Sie zwanzig oder dreißig Personen an ein und derselben Adresse in ein und demselben Gebäude in Bratislava, wo kein einziger Lkw zu sehen und kein einziges Büro vorhanden ist. Wir gehen davon aus, dass es noch viele solcher Fälle gibt."

Jost soll durch die Einrichtung von Briefkastenfirmen, unter anderen in Rumänien, in den vergangenen zwei Jahren 55 Millionen Euro an Sozialbeiträgen in Belgien hinterzogen haben. Der sozialistische Gewerkschaftsverband fordert weitere Kontrollen und eine strengere europäische Gesetzgebung.