"111 Orte in Brüssel, die man gesehen haben muss"

Im Kölner Emons Verlag ist in diesen Tagen ein Brüssel-Buch in der beliebten Reihe „111 Orte, die man gesehen haben muss“ erschienen. Rüdiger Liedtke und Kay Walter (Foto) haben sich in der belgischen, flämischen und europäischen Hauptstadt umgesehen und auf gelungene Art und Weise über den Tellerrand eines „normalen“ Reiseführers hinausgeschaut. Und, die beiden Autoren waren ihrer Zeit im wahrsten Sinne des Wortes voraus.

Das Autorenduo Rüdiger Liedtke und Kay Walter hatte nach vielen verwunderten Fragen dazu, warum sie nach den Anschlägen auf Paris im November 2015 und vom 22. März 2016 auf Brüssel und den anhaltenden Negativschlagzeilen in der Zeit danach ausgerechnet ein Buch über diese Stadt schreiben würden nur eine Antwort und zwar die wohl einzig passende Antwort: „Jetzt erst recht!“

In ihren „111 Orten in Brüssel, die man gesehen haben muss“, gehen sie diesem Thema auch nicht aus dem Wege, denn einer dieser Orte ist das Mahnmal für die Opfer der Anschläge an der Metrostation Maalbeek. Und auch den wohl weltweit am schlechtesten angesehenen Brüsseler Stadtteil Molenbeek haben sie nicht ausgelassen (Molenbeek gilt ja einschlägig als „Brutstätte des Islamismus“). Dort empfehlen sie u.a. einen Besuch in der „Gießerei“, in der Fonderie, in der ein kleines aber feines Industrie- und Handwerksmuseum zu entdecken ist.

Kay Walter hat einige Jahre in Brüssel gelebt und als Journalist für das Fernsehen und für die schreibende Zunft gearbeitet. Er kennt und liebt diese Stadt und hat seinen eigenen Blick auf sie. Sein Co-Autor Rüdiger Liedtke hingegen („111 Orte in München, die man gesehen haben muss“ (Band 1 und 2) sowie „111 Orte in München, die Geschichten erzählen“ und ein weiterer 111 Orte-Band über Mallorca) erlebte Brüssel auf den Streifzügen der beiden quasi als Entdecker. Diese unterschiedlichen Sichtweisen auf die Stadt machen dieses Buch besonders spannend. So bieten die Blicke sowohl eines Insiders, als auch eines neugierigen Besuchers ein Buch, das seinesgleichen sucht. Nein, ein Reiseführer der herkömmlichen Art ist dieses Buch nicht (wie es auch viele andere Bücher in dieser Reihe nicht sind).

Es ist vielmehr eine vielschichtige Empfehlung, eine Stadt über ihre skurrilen Orte und Geschichten zu entdecken. Walter und Liedtke haben einen aufregenden Bogen gespannt, den auch so manchen überraschen wird, der glaubt, Brüssel zu kennen.

Klassiker sind auch dabei…

Natürlich kommen Fritten und Bier, Manneken Pis und das Atomium, Schokolade und die Europäische Union drin vor, doch der Blickwinkel der beiden Autoren ist ein anderer und zwar einer, der auch ein bisschen von rheinischem Humor geprägt ist (finden sie das beim Blättern bitte selber raus).

Brüssel ist ein internationaler Schmelztiegel, in dem viel passiert ist und noch viel passieren wird. Zwar hat die Betonmaffia in den 1960er und 1970er Jahre viele architektonische Ikonen der Stadt abgerissen und damit mehr zerstört als die Bomben im 2. Weltkrieg, doch noch immer glänzt Brüssel mit wichtigen und einzigartigen Bauwerken zwischen Mittelalter und Jugendstil (Brüssel ist ja eine regelrechte Metropole in dieser Hinsicht).

“111 Orte in Brüssel, die man gesehen haben muss” zeigt einige ganz besondere Beispiele dazu und weicht auch der modernen Architektur der Jetztzeit nicht aus. Ganz im Gegenteil. Hier sind die Autoren ihrer Zeit sogar voraus. Das Buch erschien just an dem Tag, an dem in Brüssel das „Haus der Europäischen Geschichte“ eröffnet wurde und apropos Fritten, auch die gerade einer Platzrenovierung geopferte angeblich beste Frittenbude Belgiens, Maison Antoine, kommt vor, weil die Betreiber versicherten, an einem neuen Standort am Jourdan-Platz bald wieder Fritten nach bekannter Machart zu backen...

Viel(e) Geschichte(n)

Ganz nebenbei ist “111 Orte in Brüssel, die man gesehen haben muss” auch ein kleiner Geschichtsunterricht. Viele der für einen Besuch empfohlene Orte betreffen Ereignisse, die selbst Brüsseler Ureinwohner nicht unbedingt kennen, auch wenn sie oftmals dort vorbeikommen (ein Kriegerdenkmal für die Brieftaube, ein belgischer Royal Air Force-Pilot, der die Brüsseler Gestapo-Zentrale angegriffen hat, die vielen Hinweise auf Pieter Bruegel d.Ä., den Kleiderschrank von Manneken Pis…). Brüssel ist prall gefüllt mit spannenden Orten, von denen Kay Walter und Rüdiger Liedtke viele entdeckten und vorstellen. Gut, man könnte noch viel mehr machen und sich noch weiter über den Tellerrand beugen. Doch der Rezensent ist der Ansicht, dass ihm nichts fehlt. Zumal die beiden Autoren einige seiner Lieblingsorte präsentieren….

Fakten zum Buch

Kay Walter und Rüdiger Liedtke, “111 Orte in Brüssel, die man gesehen haben muss” im klassischen Emons Verlag-Muster links Text und rechts Hochkantfoto (hervorragend gemacht vom Autorenduo selbst).

Emons Verlag Köln, ISBN 978-3-7408-0128-1, www.emons-verlag.de

In Brüssel ist das Buch in der Buchhandlung König im BOZAR (Palast der Schönen Künste), Ravensteinstraat/rue Ravenstein 23 in 1000 Brüssel und bei der Buchhandlung Gutenberg, Potaardesstraat 26 in 1950 Kraainem erhältlich.