Fluglärm über Brüssel - Reaktion der Airlines

Die Frachtfluggesellschaft Air Cargo Global hat den belgischen Nationalflughafen in Zaventem verlassen und begründet diesen Schritt mit der Unsicherheit wegen der Lärmschutznormen über Brüssel. Der irische Billigflieger Ryanair hingegen wählte eine andere Taktik. Er wies seine Piloten an, so zu starten, dass die Brüsseler Geräuschpegelmesser „umflogen“ werden können.
Christophe Ketels / COMPAGNIE GAGARINE

Medienberichten am Donnerstag zufolge sei der letzte Flug von Air Cargo Global bereits diese Woche vom Cargo-Terminal am Brussels Airport gestartet. Die Cargo-Airline operierte mit zwei veralteten und lauten Maschinen vom Typ Boeing 747 „Jumbo Jet“ von Brüssel aus. Diese Flüge von Air Cargo Global sollen jetzt nach Amsterdam und nach Prag verlegt worden sein.

Im April hatte die Region Brüssel-Hauptstadt beschlossen, Bußgelder zu verhängen, wenn die am Brussels Airport aktiven Fluggesellschaften zu laute Maschinen einsetzen und damit die hier geltenden Lärmschutzpegel verletzten. Diese Bußgelder sollen allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt eingefordert werden. Ob sich Brüssel mit dieser abwartenden Haltung noch eine Türe im Streit mit den anderen Regionen und mit der Bundesregierung offen lassen will, sei dahingestellt.

Wegen des anhaltenden Streits über den zulässigen Fluglärm über der Brüsseler Innenstadt und den Randgebieten der Metropole haben bereits zwei andere Airlines den Brüsseler Flughafen verlassen. Dabei handelte es sich um Fluggesellschaften aus China und aus Saudi-Arabien. Belgiens Wirtschaftsminister Kris Peeters (CD&V) sprach nach dem Weggang von Air Cargo Global aus Zaventem von einem Alarmsignal. Der Streit um die Lärmschutznormen in Brüssel sollte endlich mit einem konstruktiven Kompromiss abgeschlossen werden.

Ryanair: Ideen muss man haben…

Der irische Billigflieger Ryanair hat indessen eine eigene Strategie entwickelt, um den von der Region Brüssel-Hauptstadt drohenden Geldbußen für den Verstoß gegen die jetzt geltenden scharfen Fluglärmnormen aus dem Wege zu gehen. Laut einem Beitrag der frankophonen Brüsseler Tageszeitung La Libre Belgique sollen die Piloten von Ryanair versuchen, ihre Maschinen so schnell wie möglich nach oben steigen zu lassen, um sich so weit wie möglich von den Lautstärkemessgeräten am Boden entfernen zu können.

Diese Art und Weise, in Brüssel aufzusteigen, soll aber immer im Bereich der dort geltenden Sicherheitsvorschriften bleiben, so ein Ryanair-Sprecher. Und die Tatsache, dass dieser Vorgang einen erhöhten Treibstoffverbrauch nach sich ziehe, wiegelt man bei den Iren ab. Dies sei immer noch billiger, als ständig absurd hohe Bußgelder zahlen zu müssen.