Rituelles Schlachten und die Religionsfreiheit

In den belgischen Bundesländern Flandern und Wallonien steht die Verabschiedung von Gesetzen zum Verbot für das Schlachten von nicht betäubten Tieren kurz bevor. Dieses Schächten gehört aber zu den Ritualen der Juden und der Moslems. Jetzt schalten sich die christlichen Kirchen in Belgien in die Diskussionen ein und bittet um Respekt für die Eigenheiten der einzelnen Glaubensrichtungen.

Die Vertreter der anerkannten christlichen Kirchen in Belgien, darunter auch der katholische Kardinal Jozef De Kesel (Foto), bitten darum, im Rahmen der politischen Diskussionen zum Thema Schlachten von nicht betäubten Tieren Respekt vor den fundamentalen Rechten der Religionsfreiheit zu zeigen.

Im flämischen Landesparlament gibt es eine politische Mehrheit für einen Vorschlag zu einem Dekret gegen das Schächten, dass noch vor den Sommerferien im Plenum besprochen wird. Ziel ist, ein entsprechendes Verbot ab dem 1. Januar 2019 erreichen zu können. Im wallonischen Regionalparlament wurde nach hitzigen Diskussionen und Anfeindungen aus Richtung von Gläubigen im Umweltausschuss für ein Schächtverbot ab dem 1. September 2019 gestimmt.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung bitten die Vertreter der christlichen Kirchen in Belgien darum, dass die Kritik am Schächten „kein Deckmantel für einen Diskurs sein darf, in dem die Lebensweise und die Ernährungsart unserer jüdischen und islamischen Mitbürger geringschätzt wird.“

Die christlichen Kirchenvertreter weisen darauf hin, dass es neben dem rituellen Schächten „noch viele andere problematische Punkte in der Lebensmittelindustrie und in der fleischverarbeitenden Industrie gibt, die - angesichts ihres Umfangs - mindestens genau so viel Priorität brauchen.“

Die christlichen Glaubensvertreter bitten die Politiker und Gesetzgeber darum, die Sorgen und Nöte der betroffenen Glaubensgemeinschaften ernst zu nehmen und ein Verfahren auszuarbeiten, in den Hygiene, die Volksgesundheit und der Tierschutz so gut wie möglich in Einklang mit dem fundamentalen Recht auf Glaubensfreiheit gebracht werden kann.