Sklaverei: Prinzessinnen und eine Zuhälterin

In Brüssel begann in dieser Woche ein Prozess gegen acht saudische Prinzessinnen, die ihr Personal in einer gemieteten Etage eines Luxushotels wie Sklaven gehalten hatten. Und im Rotlichtviertel unweit des Brüsseler Nordbahnhofs hob die Polizei ein nigerianisches Netzwerk aus, dass junge Mädchen auf den Strich schickte. Hier dreht sich offenbar alles um eine Zuhälterin aus Nigeria, die alle Fäden in ihren Händen hatte und die die Prostituierten rituell in Schach hielt.
BELGA

In Brüssel stehen die Witwe eines saudischen Prinzen und deren sieben Töchter vor Gericht, weil sie über 20 Dienstboten und Dienstmädchen wie Sklaven gehalten haben sollen. Die Anklage wirft ihnen Menschenhandel, Freiheitsberaubung und unmenschliche Behandlung vor.

Die saudischen Prinzessinnen hatten 2008 ein ganzes Stockwerk des Brüsseler Conrad-Hotels (heute Steigenberger - Foto) gemietet, weil sich eine von ihnen in der belgischen Hauptstadt einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen wollte. Der Fall kam ins Rollen, als eines der Dienstmädchen entkommen konnte.

Das Personal der Prinzessinnen hatte rund um die Uhr bereits stehen müssen, wurde beschimpft, erniedrigt und am Schlaf gehindert. Zudem erhielten die Dienstboten keinen Lohn und durften keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Ihr Anwalt sagte, dass die Prinzessinnen gegenüber ihrem Personal „keinen Funken Menschlichkeit an den Tag gelegt hätten“.

Er fordert Entschädigung in vierstelliger Höhe für jedes Opfer und ausstehende Gehälter in sechsstelliger Höhe für monatelange 24 Stundenarbeit. Die saudischen Edeldamen aber wähnen sich über dem Gesetz. Sie erschienen gar nicht erst im Brüsseler Justizpalast.

Nigerianisches Prostitutionsnetzwerk aufgerollt

Die Polizei hat am Donnerstag mit einer Großrazzia im Rotlichtviertel in der Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs und des Hauptquartiers der belgischen Bundespolizei ein nigerianisches Prostitutionsnetzwerk aufgerollt, dass junge Mädchen aus dem eigenen Land auf den Strich schickte. Dabei wurden fünf Verdächtige festgenommen, von denen vier dem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Polizisten konnten rund 30 Mädchen befreien. Die Razzien fanden nicht nur im Rotlichtviertel selbst statt (Archivfoto), sondern an mehreren Stellen in Brüssel und dem Umland. Dabei wurde auch Häuser durchsucht, in denen die Mädchen versteckt wurden.

Die Fäden in diesem Netzwerk hielt eine Nigerianerin in Händen, die innerhalb von einigen Jahren in Brüssel ein weitverzweigtes Netzwerk für Prostitution geschaffen hatte. Diese Frau ist den Behörden und in der einschlägigen Szene als besonders gnadenlos bekannt. Die jungen Mädchen, manche erst 12 Jahre alt, wurden in Nigeria angeworben, wobei ihnen gute Jobs und eine schöne Zukunft in Europa versprochen wurde. Sie mussten sich dabei aber einem brutalen Vododoo-Ritual unterziehen, bei dem sie ihrer „Chefin“ ewige Treue schwören mussten.

Dann wurden sie über Flüchtlingswege via Libyen nach Belgien geschleust, was einige wohl nicht überlebten. Hier angekommen, mussten sie sofort auf den Strich, um die „Reisekosten“ von 45.000 € zurückzuzahlen. Wer nicht spurte oder zu fliehen versuchte, wurde misshandelt. Repressalien mussten offenbar auch deren Angehörige in ihrer nigerianischen Heimat erfahren.