"Eurostar nach Amsterdam hält nicht in Antwerpen"

Die Eurostar-Schnellzüge, die die britischen Inseln durch den Kanaltunnel mit dem europäischen Festland verbinden, werden auf ihrer neuen Route zwischen London, Brüssel und Amsterdam keinen Halt in Antwerpen-Zentral einlegen. Dies wurde am Dienstag im Rahmen der ersten Testfahrt des neuen e320-Eurostarzuges (Foto) nach Brüssel deutlich.
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„Wir legen unsere Priorität auf die neuen Bestimmungen Amsterdam und Rotterdam“, sagte Eurostar-CEO Nicolas Petrovic beim Halt des von Siemens konstruierten e320-Eurostarzuges ‚Velaro‘ am Dienstag in Brüssel Süd/Midi. „Das bedeutet, dass wir in einer ersten Phase nicht in Antwerpen stoppen.“, so Petrovic weiter.

Der Eurostar wird übrigens auch nicht wie sein Konkurrent Thalys am niederländischen Nationalflughafen in Schipol halten, wie jetzt deutlich wurde. Und auch ein Halt im nordfranzösischen Lille unterbleibt auf der Holland-Verbindung. Der Eurostar zwischen Brüssel und London hält aber weiter in Lille. Durch das Auslassen der oben genannten Städte und Bestimmungen liegen Amsterdam und London nur etwa 4 Stunden Reisezeit auseinander.

Petrovic hofft, dass die ersten kommerziell eingesetzten Eurostars zwischen London und Amsterdam zu Weihnachten fahren können. Bis Ostern 2018 will man hier ein vollständiges Angebot stehen haben, dass zwei Hin- und Rückfahrten pro Tag vorsieht.

Am Dienstag war Premiere des ersten neuen e320-Eurostarzuges auf der klassischen Verbindung zwischen London St. Pancras und Brüssel Süd/Midi. Diese Züge haben eine Fahrgastkapazität, die rund 20 % mehr Sitzplätze vorsieht, als die ältere Eurostar-Flotte. Ab dem kommenden Sonntag werden die Siemens-Züge offiziell in den Fahrplan zwischen Brüssel und London einfließen.

Seit November 2015 fahren diese Züge bereits zwischen London und Paris. Diese e320-Premiere für Brüssel wurde terminlich mit der offiziellen Vorstellung des neuen Eurostar-Terminals in Brüssel Süd/Midi zusammengelegt. Dieses Terminal ist größer und verfügt über modernste Sicherheitstechnik. Bald sollen auch Sicherheitsschleusen mit Gesichtserkennung in Betrieb genommen werden.
 

Jonas Roosens

Mit dem ICE nach London?

Ob die Deutsche Bahn mit ihren neuen international einsetzbaren ICEs der Baureihe 407 den Eurostars bald zwischen London, Köln und Frankfurt Konkurrenz bieten wird, bleibt fraglich. Die britische Eisenbahnfachzeitschrift Railway Magazine meldete in ihrer April-Nummer, dass dazu noch die Zulassungsmodalitäten für die Durchfahrt in Belgien und Frankreich laufen würde. Der ICE 407 ist ebenfalls ein Siemens-Produkt, dass zudem auf dem ‚Velaro‘ e320 basiert.

Das Railway Magazine geht davon aus, dass die Deutsche Bahn, die seit geraumer Zeit mit Tochterunternehmen in Großbritannien am Bahnmarkt aktiv ist, die wirtschaftlichen Folgen des Brexit abwarten wolle. Schließlich stehen hier Standortfragen z.B. zum Finanzplatz London in der Diskussion. Und die Banker gehören zu den anvisierten Businessreisenden für DB und Eurostar…

Alter und neuer Eurostar in London St. Pancras