Belästigungen von Judoka - ein ganz normales Verhalten?

Der flämische Judoverband und der flämische Sportminister Philip Muyters suchen nach Maßnahmen, um gegen grenzüberschreitendes Verhalten im Sport vorzugehen. Es war die ehemalige Judoka und Olympiasiegerin Ann Simons, die letzte Woche in der VRT-Talksendung "Van Gils en Gasten" Alarm schlug, indem sie von verbalen Übergriffen in der Judowelt berichtete.

Judoka Ann Simons holte bei den Olympischen Spielen von 2000 in Sydney eine Bronzemedaille. Letzte Woche unterstützte sie eine Kampagne gegen grenzüberschreitendes Verhalten im Sport.

In der TV-Talksendung "Van Gils en Gasten" erzählte sie, dass sie selbst Opfer gewesen sei.

"Wenn Du Dich von einem Mädchen zu einer Frau entwickelst - jeder kämpft doch ein wenig mit der Veränderung seines Körpers - und dann Bemerkungen über Deine Brüste oder über Deine Entwicklung zur Frau über Dich ergehen lassen musst, kann Dich  das sehr stören. Ich habe darunter gelitten", bezeugte Ann Simons.

Der Trainer, der vor mehr als 20 Jahren die Grenzen überschritten hatte, ist immer noch aktiv im Judo-Sport.

Der flämische Judoverband hat inzwischen reagiert und am gestrigen Montagabend eine Krisenversammlung in einem Hotel einberufen. Die Versammlung dauerte über 4 Stunden.

Nach der Versammlung sagte der Vorsitzende des flämischen Judoverbandes, Kristoff Van de Putte. Man habe alles durchgesprochen, alle Argumente und Fakten besprochen und gut darüber nachgedacht, welche Schritte man unternehmen könne. "Wir haben uns für alle Meldungen Zeit genommen", so Van de Putte.

In einer Pressemitteilung hieß es später: Konkret wolle der Verband die jungen Athleten mental unterstützen und ihnen dabei helfen, selbstbewusster zu handeln. Der Verband plane eine leicht zugängliche Anlaufstelle für die Athleten. Man habe in den vergangenen Jahren zudem verschiedene Initiativen gegen grenzüberschreitendes Verhalten unternommen.

Ex-Judoka Niki Heylen, die ähnlich wie Simons ebenfalls grenzüberschreitendes Verhalten im Judosport monierte, kritisiert nun den Judoverband, von dem sie ein weit stärkeres Signal erwartet hätte.

Auch der flämische Sportminister Philip Muyters reagierte: "Alles, was sie jetzt sagen, muss konkretisiert werden. Und ich werde selbst dafür sorgen, dass das, was man nun ankündigt, keine leeren Phrasen bleiben und dass man künftig Sport machen kann, ohne Angst vor grenzüberschreitendem Verhalten haben zu müssen."

Unterdessen hat auch der beschuldigte Trainer auf die Vorwürfe reagiert. In einem Pressebericht schreibt er: Er habe zu keinem Zeitpunkt grenzüberschreitende Handlungen wie sittenwidrige Berührungen begangen. Das einzige, was man ihm vorwerfen könne, sei, dass er einst während eines Trainigslagers bei zweideutigen Bemerkungen, die von einer Gruppe ausgelassener Sportler gemacht wurden, mitgelacht habe.