Presse: "Vorzeitiges Ende der Supermacht USA”

Die Tageszeitungen in Belgien gehen mit US-Präsident Trump an diesem Freitagmorgen hart ins Gericht. Seine Ankündigung, das Pariser Klimaabkommen zu verlassen und seine Forderung nach neuen Verhandlungen zu den Bedingungen der USA führt nach Ansicht der Leitartikler zu einer weitgehenden Isolierung Amerikas in der Welt. Nun steht auch die Frage im Raum, wie weit die internationale Solidarität in der Klimafrage jetzt reicht.

Die flämische Tageszeitung De Morgen überließ das Wort u.a. David Criekemans, Professor für internationale Politik an der Uni Antwerpen. Der schreibt dazu: „America first ist vor allem America isolated. Wenn Trump internationale Beschlüsse blockiert, dann entstehen woanders ad-hoc-Konstellationen. Länder, wie China, die EU oder Brasilien werden enger zusammenarbeiten, während Trump auf Seite geschoben wird. Die Vereinigten Staaten haben damit ihren weltweiten Führungsanspruch verspielt.“ Für Europa und China zeige sich damit allerdings ein Lichtblick: „Europa erhält damit die Chance, selbst wieder voranzugehen. Und China bekommt, wozu die Vereinigten Staaten viel schwieriger einen Zugang zu kriegen. Man muss abwarten, in wie fern ein Unternehmen, wie Tesla, darunter zu leiden hat.“

Bei De Standaard heißt es dazu: „Die Antarktis bricht, Trump nicht“. Auch hier stellt man fest, dass Trump völlig alleine dasteht: „Trump zieht sich mit seinem Beschluss nicht nur die Wut vom Rest der Welt zu, er stellt die USA damit in eine einsame Position. Wirtschaftsreporter Ruben Mooijman kommentiert dies wie folgt: „Trump macht sich schuldig mit etwas, was er seinen Nato-Partnern selbst vorwirft: unloyales Verhalten. Und wieder geht es um ein kollektives Ziel, zu dem alle Länder nach Kräften beitragen. Darum ist es unbegreiflich, dass die Vereinigten Staaten dieses Abkommen, das für unsere Wohnfahrt und für unser Wohlergehen möglicherweise entscheidend sein kann, weglegen. Dass er die Türe für neue Verhandlungen einen Spalt öffnet, tut nichts zur Sache. Abgesprochen ist angesprochen.“

Auch das Wirtschaftsblatt De Tijd und die Regionalzeitung Gazet Van Antwerpen sehen dies ähnlich. Für De Tijd macht der Austritt Trumps aus dem Klimaabkommen die Vereinigten Staaten ein Stück weniger vertrauenswürdig und auch hier stellt man fest, dass die USA ihre führende Rolle in der Welt verspielen. Gazet Van Antwerpen meldet, dass Trump das internationale Klimaabkommen von Paris 2015 im Rosengarten des Weißen Hauses explodieren ließ. In dem Blatt schreibt Mathias Bienstman von der flämischen Umweltvereinigung Bond Beter Leefmillieu, dass man jetzt nicht nur auf China setzen müsse, sondern auch auf Indien: „Beide Länder können, wenn sie wollen, in den kommenden 13 Jahren, bis zu 3 Milliarden Tonnen Schadstoffe ausstoßen.“

Die auflagenstärkste flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws bedauert in diesem Zusammenhang, dass Trump jetzt wohl auch den Geldhahn für einige amerikanische und internationale Umweltgesellschaften und -aktionen zudrehen wird, die Entwicklungsländern dabei helfen sollen, ihren Beitrag zum Klimaabkommen zu leisten. Dies seien unter anderem der Green Climate Fund der Vereinten Nationen. Het Nieuwsblad titelt scharf: „America first und der Rest kann verrecken“.

Die frankophone Brüsseler Tageszeitung Le Soir ist schon fast von der Dickköpfigkeit und einem Gefühl, live einer Selbstzerlegung zugeschaut zu haben, fasziniert. Trump habe offenbar nur den schärfsten Ideologen und den von der Energielobby finanzierten Senatoren zugehört: „Paradoxerweise gibt die Haltung der USA wieder denen eine Stimme, die vorangehen wollen.“ Es bilde sich eine neue Koalition, die die internationale Klimadiplomatie in neues Licht rücke: China stehe ab sofort im Mittelpunkt: Die Europäer spielen vorne mit und Kanada, Indien und weitere aufstrebende Länder sind ebenfalls dabei.“ Jetzt gelte es, der Wirtschaft zu beweisen, dass man es mit der CO²-Reduzierung ernst meine, so Le Soir.