Schadensersatzzahlungen für Anwohner des Lütticher Flughafens

Das Berufungsgericht von Brüssel hat hunderten Anwohnern des Flughafens von Lüttich-Bierset in ihrer Lärmbelästigungs-Klage recht gegeben. Die wallonische Region, Lüttich Airport und TNT müssen nun Millionen Euro an Schadensersatz bezahlen.

Mehr als 500 Familien, die in der Nähe des Flughafens wohnen, sind nach der Entwicklung des Flughafens 1998 vor Gericht gezogen. Sie reichten Klage wegen Lärmbelästigung ein, vor allem aufgrund der Nachtflüge der Frachgesellschaften TNT Express und CAL Cargo Airline.

Das Berufungsgericht von Brüssel gab ihnen nun größtenteils recht. So hätte die wallonische Region vor dem Hintergrund der Entwicklung des Flughafens einen Umweltverträglichkeitsbericht durchführen lassen müssen. Im dem mehr als 400 Seiten umfassenden Urteil ist auch Sprache von einem Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.

Die wallonische Region und der Flughafen müssen den Anwohnern nun einen vorläufigen Schadensersatz zahlen, der sich zwischen 1 und 45.000 Euro bewegt. TNT, die Gesellschaft, die mehreren Anwohnern eine zu hohe Lärmbelästigung zumutete, muss ihnen zwischen 1.770,72 und 10.625 Euro bezahlen.

Die Parteien können noch vor den Kassationshof ziehen.

Im Kabinett des wallonischen Ministers für Flughäfen, René Collin, habe man das Urteil zur Kenntnis genommen, heißt es dort. Die verschiedenen Optionen würden jetzt untersucht.

"Fehler gemacht"

Das Berufungsgericht bekräftigt in seinem Urteil, dass "die wallonische Region einen Fehler gemacht habe, indem sie parallel zur Entwicklung des Flughafens nicht die nötigen Maßnahmen genommen habe, um die Belästigung, der die Anwohner gezwungenermaßen ausgesetzt worden seien, zu begrenzen oder zu vermeiden."

Die Gesellschaft TNT und der Flughafen von Lüttich müssen das "Gleichgewicht mit den Anwohnern des Flughafens" wiederherstellen, heißt es weiter im Urteil. Die Begleitmaßnahmen, die für die Anwohner genommen worden seien (zum Beispiel der Ankauf ihrer Häuser oder Maßnahmen zur Isolierung ihrer Häuser) seien laut Gericht zu spät erfolgt.