Franzose gewinnt 1. Königin-Elisabeth-Wettbewerb für Chello

Der Franzose Victor Julien-Laferrière hat den ersten Königin Elisabeth-Wettbewerb für Cello gewonnen. Das hat der Juryvorsitzende Arie Van Lysebeth in der Nacht zum Sonntag verkündet.

Der 26-Jährige, der erst am gestrigen Samstag spielte, setzte sich in dem Finale, das vom 29. Mai bis zum 3. Juni im großen Konzertsaal (Salle Henry Le Boeuf) des Bozar ausgetragen wurde, gegen elf Mitstreiter durch.

Victor Julien-Laferrière gewinnt damit den Großen Königin Elisabeth-Preis im Wert von 25.000 Euro.

Der zweite Preis ging an den Japaner Yuya Okamoto. Der Kolumbianer Santiago Cañón-Valencia endete auf dem dritten Platz. Den vierten Platz holte eine anderer Franzose, Aurélien Pascal, den fünften der Weißrusse Ivan Karizna, und der Amerikaner Brannon Cho endete auf dem sechsten Platz.

Ivan Karizna gewann zudem den Publikumspreis.

Die 80. Ausgabe des Königin Elisabeth-Wettbewerbs wurde in diesem Jahr erstmals dem Cello gewidmet.

"Ideal ist, wenn sich das Publikum und ich gemeinsam auf die Partitur konzentrieren"

Nach der Ankündigung des Gewinners, sagte Julien-Laferrière: "Ich kann das Ganze noch gar nicht fassen. Ich brauche ein wenig Zeit."

Mit 13/14 Jahren sei er ins Konservatorium von Paris eingetreten. "Das ist sehr früh", so Julien-Laferrière in einem Interview mit Canvas. "Ich habe davon profitieren können, denn ich durfte in europäische Länder reisen. Der Lehrer, der mich am meisten geformt hat, war Heinrich Schiff. Danach hat Clemens Hagen versucht, mich in gewisser Weise den sehr starken und formenden Unterricht von Heinrich Schiff ein wenig vergessen zu lassen."

"Er hat mir dann geraten, meinen eigenen Weg zu suchen, ohne stets auf die Expertise eines Lehrers zurückzugreifen", erzählt Julien-Laferrière. "Als Künstler und Interpret versucht man häufig, Wörter für seine Gefühle zu finden und diese dem Publikum zu vermitteln. Ich denke, es gibt gewisse Interpreten, die sich als Träger der Partitur verstehen und die versuchen, die Partitur vergessen zu lassen, um dem Publikum die Gefühle so naturbelassen wie möglich, zu übermitteln."

"Ich habe da eine etwas andere Haltung. Ideal ist, wenn sich das Publikum und ich gemeinsam auf die Partitur, auf das Werk, konzentrieren. Wenn Sie so wollen, begebe ich mich in die gleiche Position wie das Publikum und stelle das Publikum in die gleiche Position, in der ich mich befinde."