Schulschiff Mercator wieder an Ort und Stelle

Anfang April war es so weit. Das seit Ende September 2015 in der IdP-Werft in Ostende renovierte und restaurierte Schulschiff Mercator konnte wieder an seinem angestammten Ankerplatz im Mercator-Dock unweit des Bahnhofs seines Heimathafens festmachen. Der Dreimaster mit Baujahr 1932 ist heute wieder eine der wichtigsten Attraktionen der Bade- und Küstenstadt Ostende.

Das Schulschiff Mercator musste unbedingt ins Trockendock, denn der Rumpf wies Schäden auf, die zum Sinken des traditionsreichen Seglers hätten führen können. Das belgische Bundesland machte 2015 3,4 Mio. € für die Grundsanierung des Schiffes frei und so konnte es im Trockendock der IdP-Werft im Hafen von Ostende restauriert werden.

Nach Abschluss der Restaurierung des Rumpfes machten sich rund 30 Ehrenamtliche daran, auch den Rest der Mercator mit neuem Glanz zu versehen. Dazu kamen Zuschüsse in Höhe von mehreren hunderttausend Euro aus verschiedenen Quellen und seit Anfang Januar 2016 wurde geschliffen, gestrichen, poliert, auseinander- und wieder zusammenmontiert und in historischen Archiven nach den originalen Farben und Aufbauten gesucht, um alles wieder möglichst in seinen Ursprung zurückversetzen zu können.

Ende März 2017 war es dann soweit: Die Mercator konnte wieder an ihren angestammten Anlegeplatz am Mercator-Dock zwischen Bahnhof und Innenstadt geschleppt werden, wo es seitdem wieder von zahlreichen Jachten umgeben wird (Foto oben). Inzwischen strömen die Besucher wieder an Bord, um in der Geschichte und den Geschichten des Dreimasters abzutauchen. Anfang April war die offizielle Wiedereröffnung und dazu gab es gleich eine neue Nachricht zu vermelden. Die Stadt Ostende kaufte dem Land Flandern das Schulschiff ab und kann sich so besser und direkter um Unterhalt, Marketing und Vermarktung kümmern (für 100 € pro Stunde kann die Mercator zu privaten Zwecken gemietet werden…).

Heimathafen: Ostende oder Antwerpen?

Überall auf dem Schiff sind Hinweise darauf zu finden, dass der Heimathafen der Mercator Antwerpen ist. Dort war sie auch nach ihrer Indienststellung 1932 tatsächlich stationiert und von dort aus stach sie auch zu fast allen ihrer 41 Reisen in See. Von vorne herein als Schulschiff für die Handelsflotte geplant, wurde ihr Heimathafen Antwerpen, weil dort seinerzeit auch die Marineschule untergebracht war, in der die Kadetten ausgebildet wurden.

Am 14. August 1960 wurde die Mercator nach 28 Jahren treuen Diensten in den verdienten Ruhestand versetzt. Bis dahin hatte sie knapp 33.770 Seemeilen zurückgelegt, was in etwa sechs Erdumrundungen entspricht. Zunächst lag sie in Antwerpen am Bonaparte-Dock vor Anker und zur 1.000 Jahr-Feier der Stadt Ostende kam die 1964 zum ersten Mal in ihre spätere Heimat. Kurz danach wurde sie endgültig dorthin versetzt. Seit 1961 ist sie schon Museumsschiff und seit September 1996 steht sie unter Denkmalschutz.

Vor der Verschrottung bewahrt

In den Jahren danach wurde das Schulschiff Mercator zu einer der wichtigsten Attraktionen Belgiens. Unzählige Schulklassen kamen zu Besuch und nach Aussagen der heutigen Betreuer war auch „so ziemlich jede Nonne und jeder Priester an Bord“.

Das hat seinen Grund, denn Belgiens „Nationalheiliger“, Pater Damian, wurde nach seinem Tode an Bord der Mercator zurück in seine belgische Heimat gebracht. König Leopold III. und US-Präsident Franklin D. Roosevelt hatten vereinbart, dass Damians Leichnam von der Südseeinsel Molokaï nach San Cristobal in Panama gebracht wurde, um dort auf die Mercator geladen zu werden. Pater Damian hatte sich auf Molokaï den Leprakranken gewidmet und war letztendlich auch an dieser Krankheit gestorben.

Dass die Mercator heute noch existiert und renoviert werden konnte, ist vielen Beteiligten zu danken. Die belgische Marine wollte sich vor einigen Jahren von dem eleganten Dreimaster trennen, denn der Armeeführung war der Unterhalt zu teuer. Sogar von Verschrottung war die Rede. Doch dank zahlreicher Ehrenamtlicher, Mäzene und Fürsprecher aus allen Teilen der Gesellschaft, Zuschüssen des Landes Flandern und dem Engagement der Stadt Ostende bleibt die Mercator erhalten und rückt wieder ins Zentrum des Interesses. Auch heute Strömen wieder Besucher aller Altersklassen aus Belgien hierher und auch ausländische Besucher gehen hier an Bord.

Historische und technische Daten

Schiffstyp Barketine, Hergestellt nach Plänen des belgischen Entdeckungsreisenden Adrien de Gerlache bei der Schiffswerft Ramage & Ferguson in Leith/Schottland. Stapellauf: 9. Dezember 1931, Indienststellung durch die „Association Maritime Belge“ am 7. April 1932.

Schiffsmaße und Besatzung

Gesamtlänge: 78,40 m
Breite: 10,60 m (an der breitesten Stelle)
Tiefgang max. 4,50 m
Vermessung: 778,26 BRT (Brutto-Register-Tonnen)
Besatzung: 100 Mann, davon 45 Seekadetten

Maschinenanlage

Maschine(n): Ein Diesel-Hilfsmotor mit 6 Zylindern von Burmeister & Wain (einer der letzten Motoren dieses Typs, die noch funktionsfähig sind) plus zwei Dieselmotoren mit 5 Zylindern von Gardner, die Generatoren zur Stromversorgung von Crompton Parkinson antreiben.

Maschinenleistung: 500 PS (368 kW)
Höchstgeschwindigkeit: 11 Knoten (20 km/h)
Eine Schiffsschraube

Takelung und Rigg

Takelung: Barkentine
Anzahl Masten: 3
Anzahl Segel: 15
Segelfläche: 1.600 m²
Geschwindigkeit unter Segeln: max. 13 Knoten (24 km/h)